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Alle warten. Solange, bis der Gambswirt wieder aufsperrt.

Sich kurz vor dem schönsten Tag im Leben ein neues Lokal zum Feiern suchen zu müssen, das ist wohl der Albtraum jedes Brautpaares. Im Lungau hat es gleich einige Hochzeitsleute betroffen, jene, die den großen Saal des Gasthofes „Gambswirt“ reserviert haben. Am 4. Juli diesen Jahres machte jedoch Feuer, das den Gastwirtschaft- und Hotelbetrieb plötzlich unmöglich. Alles gut, letztendlich, zwar für die Hochzeitsleute, die spontan passende Ausweichen finden konnten für ihren Start in die gemeinsame Zukunft. Für das Traditionshaus „Gambswirt“ und die Familie Maier hingegen bedeutete es das Ende einer langen Geschichte – und den Beginn einer neuen.

Mittlerweile ist vom „Gambswirt“ in Tamsweg gar nichts mehr übrig. Für die Einheimischen ist es fast wie eine optische Täuschung im Zentrum des Lungauer Bezirkshauptortes. Hier fehlt schlichtweg „etwas“. Und es ist nicht nur das markante Gebäude mit seinen gelben Mauern und dem Gastgarten davor, dessen Substanz durch Feuer und Wasser schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, das einem abgeht. Vier Monate nach dem Brand war es die Familie Maier selbst, die das Kommando zum völligen Abriss gab.

Die Nacht-und-Nebelaktion war bekanntlich illegal und nicht im Sinne der Ortsbildschutzkommission. Die Frage nach Recht und Unrecht sei aber einmal beiseite gestellt. Steht doch fest, dass mit dem „Gambswirt“ ein traditionell gewachsener „Ort der Begegnung“ fehlt. Ein Ort für Jung und Alt, für alle Anlässe, ob freudig oder traurig, gerade auch für größere Festivitäten und Versammlungen. Eine vergleichbare Location gibt es in der ganzen Region nicht. Wohl sind hier andere gutbürgerliche Wirtshäuser mit stattlichen Gaststuben vorhanden. Jedoch ist es gerade der „große Saal beim Maier“, für den es keinen Ersatz gibt.

In den nun bevorstehenden Monaten des Wiederaufbaus des „Gambswirtes“ heißt es deshalb vor allem auch, auf begehrte Fixtermine im obligaten Jahresveranstaltungs-Programm zu verzichten. So hat es etwa heuer im November den traditionellen Murauer-Bockbieranstich nicht mehr gegeben. „Ersatzlos gestrichen“ wird es auch für die obligate Party zu Silvester heißen. Überlegungen, wo mehrere hundert Personen auf einmal einen Sitzplatz finden und ihnen eine Mahlzeit serviert werden kann, beschäftigt derzeit auch das „Preberlauf“-Team. Im März nächstes Jahr steht die Jubiläumsauflage des Preberlaufes an; er zählt zu den größten Schitourenrennens Österreichs. Die Siegerehrung fand bislang – eben – beim „Gambswirt“ statt. Über die Gemeindegrenzen hinausgehen, will auch die Freiwillige Feuerwehr nicht. Der nächste Feuerwehrball, der traditionell in der Faschingszeit stattfindet, wurde schon jetzt abgesagt.

Ob Vereinswesen, Wirtschaft, Sport oder Gesellschaft – irgendwie ist jeder vom Fehlen des „Gambswirtes“ betroffen. Ohne Herberge auch die Vereinigten zu Tamsweg, es bleibt beim aktuellen Kommissär Max Kandolf, eine Bleibe für die traditionsreiche Bruderschaft zu finden.  Die Tamsweger vermissen ihn, „ihren Gambswirt“, den einzigartigen „Ort der Begegnung“. Im Herbst 2015 will die Familie Maier wieder aufsperren. Unbedingt. Die erste Hochzeit im neuen „Gambswirt“ ist übrigens für 12. September schon fix eingeplant.

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