Alles tanzt!

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Alles tanzt!

Wie facettenreich die Sparte Tanz doch ist! Bewegte Vielfalt ist es auch, was die Tanzböden im Lungau beschreibt.
 Ein Artikel von Andrea Kocher

Tanzen-Babsi-KoitzDarf ich bitten? So höflich die Herren, wenn sie die Damen zum Standardtanz aufs Parkett führen möchten. „Auf geht’s, Buama!“, kündigen wiederum die Volkstänzer entschlossen an und nehmen dann ihre Dirndla an die Hand. Und wer sich einem Mode- oder Fitnesstanz widmet, ist ja sowieso immer „ready to move“. Man möchte es nicht glauben, aber „überall“ wird gerne getanzt. Zwar nicht derselbe Stil, jedoch stets mit Enthusiasmus.

Was, wie und wann wird denn nun getanzt? Festliche Anlässe wie Schulbälle und Hochzeiten sind oft der Grund, weshalb ein Tanzkurs besucht wird. Man will schließlich gewappnet in das Tanzereignis gehen! Die Nachfrage im Lungau ist groß, so kann Tanzschulinhaberin Ingrid Dietrich aus Judenburg bestätigen. Seit über zehn Jahren lehrt sie den Lungauern die perfekten Schritte. Aus fachlicher Sicht wie aus Erfahrung kann sie den Bedarf gut beurteilen. „Die Teilnehmer möchten die wichtigsten Tänze lernen: Fox mit Drehungen und Figuren etwa, und sie wollen Polka und Walzer gut beherrschen“, erklärt Ingrid Dietrich, „es ist ein Muss, diese Tänze zu können, da sie zu unserer Kultur gehören. Weitere Tänze sind für Paare interessant, die schon recht gut tanzen können und mehr lernen wollen.“ Boogie und Cha Cha Cha, oder West Coast Swing, ein Tanz, der seit einigen Jahren gerade im städtischen Raum der Trend ist, sind die Ergänzung zu den Standardtänzen.

Dass der Paartanz keineswegs einer bestimmten Generation vorbehalten ist, zeigt sich ebenso an den Kursteilnehmern selbst. Jugendliche haben ähnliche Wünsche, sind darüber auch offen für „feurigere“ Tänze wie Salsa und Tango. Dazu kommen noch die modernen Stilrichtungen, wie Hip-Hop-Dance, Zumba oder Modern Dance. Diese sind auch bereits im Kindesalter interessant. Mit einem Ausbildungsschwerpunkt hat Tanz im Lungau überdies den Weg in die Schule gefunden: Die HAK Tamsweg führt seit zwei Jahren einen eigenen Sporttanz-Zweig. Zum Unterrichtsprogramm gehören alle Arten von Sport- und Fitnesstänzen. Ingrid Dietrichs Sohn Jörg unterrichtet die Schülerinnen in Hip-Hop-Dance, der, wie auch der Tanztrend Zumba, zum Unterrichtsprogramm gehört.

Sprache des Körpers und der Seele

tanzenDass Tanzen nicht nur liebstes Hobby und geselliger Beitrag zum Fest sein kann, sondern auch zu Urlaub passt, zeigen die Tanzwochen im Wellnesshotel Eggerwirt und die Tanztage im Hapimag Resort in St. Michael. Dann bittet Babsi Koitz auf das Parkett. „Komm und tanz“, fordert die Profitänzerin aus Kärnten, die früher mit Willi Gabalier Turniere tanzte und von 2009 bis 2013 österreichische Promis bei „Dancing Stars“ durch den Ballroom führte, dann auf. „Die Tanzpaare haben die Möglichkeit, in dieser Woche intensiv ihr Tanzen zu verbessern, Spaß zu haben und den Urlaub zu genießen.“

Neben der Freude an Bewegung, das gemeinsam und mit Musik, kommt für Babsi Koitz – sie fand den Weg zum Tanzen übrigens als Kind über das Volkstanzen – noch ein weiterer entscheidender Grund hinzu: Die Freude daran, sich auf der Bühne zu präsentieren. „Es ist für mich etwas Besonderes, auf der Bühne zu stehen, mit der Körpersprache zu arbeiten. Da ich auch Kindergärtnerin und Tanzpädagogin bin, kombiniere ich gerne den Leistungssport mit Information aus der Tanztherapie. Denn die Sprache des Körpers ist die Sprache der Seele und ist für die Persönlichkeitsentfaltung sehr wichtig.“

Volkstanz – überlieferte Kunst

Freude und Ausdruck, das beschreibt auch den „echten“ Volkstanz! Eine besondere Kunst, das kann Stephan Doppler, Obmann der Volkstanzgruppe Tamsweg, nur bestätigen. „Dass man nicht ‚starr’ an einen Tanzpartner gebunden ist, indem man wechselt, oder mit mehreren Paaren gemeinsam tanzt, ist wohl die erste Besonderheit des Volkstanzes. Es ist ein Gemeinschaftstanz“, sagt er und fügt hinzu: „den Volkstanz macht des Weiteren aus, dass es – neben den schwierigen – auch viele kurze und einfache Tänze gibt. Das kommt von früher, damit ein Jeder schnellstmöglich mittanzen kann.“ Welche Tänze sich anbieten, wie man Auftänze zusammenstellt und wie ein Verein organisiert sein will, haben sich die jungen Volkstänzer von ihren Vorgängern erklären lassen. Überlieferung von Traditionen also.

TrachtenpaerchenLungauer Reiftanz, Sterntanz und Bandltanz, der schwierige Salzburger Almtanz oder der Pinzgauer Wickler: Jeder Tanz fordert nötige Elemente, die enthalten sein müssen. Wie er richtig getanzt wird, dafür geben wohl Bücher Aufschluss. Meist sind aber lediglich die bekanntesten Volkstänze in Buchform dokumentiert und erklärt. Gewisse regionale Tänze wiederum sind nicht niedergeschrieben. „Und es gibt auch einige Figuren, die nur in gewissen Regionen getanzt werden und somit nur mündlich weitergegeben wurden.“ Dies eröffnet den Tänzern etwas Spielraum. Beim heurigen Osterball etwa zeigte die Tamsweger Volkstanzgruppe einen Auftanz, bei dem sie die Elemente selbst zusammenstellten. „Da sich einige Tänze ähneln, kann man diese kombinieren und, wie wir es praktizieren, zu einem Auftanz zusammenführen“, erklärt Stephan Doppler. Die Kunst wird erklärt als Herausforderung, die einzelnen Tanzelemente zunächst technisch zu beherrschen, um sie dann in einer gewissen Reihenfolge korrekt zu tanzen. Und das, natürlich, im Rhythmus, mit Körperspannung und synchron mit den anderen Paaren.

Ob nun am Hochzeitsparkett oder auf der Bierzeltbühne getanzt wird: Tanz ist Kunst! Und Improvisation, und dem soll ausreichend Freiheit gelassen werden. Strenge Beurteilungen von Dancing-Stars-Juroren, die „Tanz“ und „Tanz“ unterscheiden? Danke, gut gemeint, aber nicht nötig hier bei uns am Land!

 

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