Auf SCHATZSUCHE im Lungau

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Auf SCHATZSUCHE im Lungau


Bemerkenswert, welche Schätze  dieses kleine Privatmuseum bietet!  Sein “Archiv” nennt es Gerhard Kocher, der selbstgelernte Montanhistoriker und “Schatzsucher”. Ein bescheidener Titel fürwahr  für die seltene Sammlung, die uns in längst vergangene Tage des Bergbaus im  Lungau und tief unter Tag führt.
 Ein Artikel von Andrea Kocher

lungauNichts als Staunen, als der Tamsweger seinen jüngsten Schatz präsentiert: Es sind vier Keramikkacheln mit Bergbaumotiven. Seltene Szenen zeigen die noch gut erhaltenen Ofenkacheln, die durch Zufall in Gerhard Kochers Hände gerieten. Woher sie, gefunden auf einem Bauernhof in Sauerfeld, ursprünglich stammten, blieb ungeklärt. Vorerst zumindest, denn das sollte sich schnell ändern. Tja, nicht allein Interesse und das richtige Maß an Neugier macht einen echten Schatzsucher aus. Der muss auch recherchieren und kombinieren können. Und er sollte auf keinen Fall zimperlich sein!

Geheimnisvolles “Preberloch”

schatzsuche1Denn, die Schätze liegen tief unter Tag verborgen. So führte den Tamsweger, der auch Funktionär und Mitglied der ersten Stunde bei der Lungauer Höhlenrettung ist, seine Leidenschaft schon in tiefe Schächte und entlegene Stollen
. Aber auch in Höhlen, genau genommen sind es im Lungau Kastenhöhlen, und es gibt nicht unbedingt viele davon. Nicht gemeint sind damit die bekannten „Löcher“ – das Stockerloch in Weißpriach und die Eiskarhöhle im Mosermandlgebiet, und dazu einige Schächte im Gebiet Lungauer Kalkspitz. Die Einstiege sind übrigens oft vertikal, also wirklich Schlupflöcher, die unscheinbar und für Laien schwer zu finden sind. Unterwegs ist Gerhard Kocher immer mit Freunden, wobei diese eher auf Höhlen, und er eben auf mittelalterlichen Bergbau spezialisiert ist.  

Der 53-Jährige hätte Montanarchäologie studieren sollen. Leider hat er die Möglichkeit dazu nie gehabt, und sich den mittelalterlichen Bergbau stattdessen zur liebsten Freizeitbeschäftigung gemacht. Und dieses seltene, so faszinierende Hobby führte ihn bereits in die Tiefen von Schächten und Höhlen

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. Er, im Brotberuf “einfacher Arbeiter”, beschreibt sich selbst als „Jäger und Sammler, der immer auf dem Sprung nach etwas Neuem ist“. Die historische Sammlung nennt der Hobby-Wissenschaftler bescheiden „Archiv“, doch ist es ein kleines Bergbaumuseum, zu dem er die Sammlung in der früheren Wagenhütte seines Zuhauses mitten in Tamsweg gemacht hat. Und sein Buch „Auf den Spuren des Lungauer Bergbaus“, das vor zwei Jahren erschien, begeistert selbst Experten des Faches mit vorher ungeklärten Erkenntnissen.

Wonach Gerhard Kocher nun sucht, hier im Lungau, aber nicht nur? Speziell sind es alte Bergbaue, aber auch Schriften aus Bergbauarchiven, auf deren Grundlage er immer wieder neue, über die Jahrhunderte in Vergessenheit geratene Bergwerke findet. „Dadurch finde ich auch viele alte Sachen, die die Knappen zurückgelassen haben, kaputte Dinge des Lebensalltages oder Bergbaugeräte zum Beispiel.“ Dann geht es in die Praxis, in die Berge, teils in hochalpine Lagen.

Ein historischer Siegelring zum 30. Geburtstag

siegelringÜber die Jahre füllten sich so die Glasvitrinen im Privatmuseum, in denen Gerhard Kocher sämtliche Gegenstände – Werkzeuge, Alltagsgegenstände, Schmuckstücke,… – fein säuberlich aufreiht. Und beschriftet, worum es sich denn dabei handelt und wo der Fundort war. Auffallend etwa der massive, beeindruckende Siegelring eines Bergrichters, den der Sammler auf der Hohen Goldzeche in Kärnten fand, ausgerechnet an seinem damals 30. Geburtstag! „Dieser Fund auf 2.900 Metern war schon etwas ganz Besonderes, und es entstand daraus mein nächstes Steckenpferd: Ringe sammeln.“ Davon hat der Lungauer inzwischen auch kästchenweise – wohl handelt es sich in diesem Fall nicht ausschließlich um eigene Funde. Auch durch Tausch und Kauf wuchs die kleine Galerie auf aktuell gut vierhundert Ringe. Der Ansporn: „Man kann immer die Geschichte zum Ring recherchieren! Zunftzeichen etwa erklären viel von Handwerkern, Inschriften verweisen auf Partnerschaften und andere Lebensereignisse. Das ist sehr faszinierend!“

Glück und Spürsinn

„Man braucht schon Glück auch als Schatzsucher, und auch Spürsinn!“, sagt Gerhard Kocher schmunzelnd und raubt eventuell nun motivierten Neo-Schatzgräbern sogleich die Illusionen: „Große Reichtümer sind nicht mehr zu erwarten. Die Knappen hätten damals mit Sicherheit schon alles gefunden, sie haben alles auf Putz und Stingl ausgeräumt.“ Keine großen Erwartungen also mehr an verborgene Hinterlassenschaften in den einst blühenden Bergbauen, Gold in Schellgaden und Silber in Ramingstein, Eisen in Bundschuh und Kupfer in Obertauern, Weißpriach und Lignitz sowie Nickel, Kobalt und Silber im Bereich Zinkwand in Weißpriach und Arsen in Rotgülden. Die letzte Bergbauperiode endete übrigens um 1800 mit dem Erz, der Abbau wurde unrentabel.

Jeder einzelne Fund hingegen darf als großer Schatz gewertet werden. Deshalb, da jedes Stück Aufschluss über den einstigen Lebens- und Arbeitsalltag in den Lungauer Bergen gab. Und weil die Funde alte, meist schon vergessene Begriffe wieder zum Leben erwecken. Weniger ist es hingegen der finanzielle, sondern entscheidender der ideelle Wert
. „Und vor allem der geschichtlich extrem hohe Wert, der übersteigt das Finanzielle um das Hundertfache“, betont Gerhard Kocher. Ihm ist es auch Lohn genug, einige Exemplare in Ausstellungen in Museen, wie im Heimatmuseum Tamsweg, zu wissen.

Lungauer Sagen inspirieren

lungauer-sagenInteresse gut, aber was inspiriert dazu, immer wieder aufs Neue “zu suchen”? Die Lungauer Sagenwelt tut unter anderem ihren Teil dazu. Schließlich, und das kann er mittlerweile aus Erfahrung bestätigen, „liegt in jeder Sage ein Körnchen Wahrheit.“ Über die Preberloch-Sage ist er sich beispielsweise sicher: „Hundertprozentig stimmt das!“ Und Gerhard Kocher meint hier das „echte“ Preberloch, das kleine Goldbergwerk im Preberkessel. Das fälschlicherweise oft als Preberloch bezeichnete ist vielmehr das “Bischofswandloch”, auf der Scharte, eine Schichtfugenhöhle – 1923 wurde dort ein Skelett eines verunglückten Schatzgräbers gefunden. Beide Höhlen waren im Mittelalter begehrtes Ziel von Goldsuchern. Üblich war es, sich mit Schriftzeichen an den Höhlenwänden zu verewigen. „Um die 30 Schriften sind im Bischofswandloch an die Wand geritzt, die älteste geht zurück bis ins 15. Jahrhundert. Es ist dies deshalb eine besonders geschützte Höhle – darf man nicht einfach so hineingehen, man findet den Eingang ohnehin nicht versteckt und klein, dass man hineinkriechen muss.

Ein gewisses Interesse für Höhlen und außerdem der Forschergeist sollten somit zum Rüstzeug eines Schatzsuchers gehören. Stößt der doch ab und an nicht allein auf Gegenstände, sondern auch auf historische Ereignisse: „Im Gebiet Mosermandl, zum Faulkogel hinauf von der Fischerhütte aus ist ein richtiges Kastgebiet. Da ist einmal ein Kind spurlos verschwunden, lange wurde nach ihm gesucht. Es gibt dort tausende Spalten, bis zu fünfzehn Meter tief. Dort gehörte noch geforscht, weil dort sicher viele Naturhöhlen sind.“

Und wieder beeindruckend, nun ist es das älteste Stück im Privatmuseum: Es ist eine Schüsselkachel aus dem Silberbergwerk Ramingstein. Diese geht zurück bis ins 12. Jahrhundert, das beweist das Motiv einer mittelalterlichen Armbrust. Gefunden hat Gerhard Kocher sie im Altenberggebiet. Spannend auch die römische Straßenstation Immurium bei Schloss Moosham, wo einst Eisen und Kupfererz verarbeitet wurden. „Das norische Eisen! Es hatte den gleichen Stellenwert wie Gold”, erklärt Gerhard Kocher
. Auch die Lungauer Burgen hüten Zeitzeugen, bei der Ruine Klausegg in Seetal zum Beispiel wurde er schon öfter fündig.

Dass die Schätze einfach so in den Besitz des Finders übergehen, ist übrigens nicht die Regel. „In Österreich ist die Suche mit Detektor verboten, im archäologischen Gebiet sowieso. Ein Fund muss innerhalb von 12 Stunden der nächsten Behörde gemeldet werden“, erklärt Gerhard Kocher. Das Eigentumsproblem hat er nicht, da er ohne technische Hilfsmittel sucht und eng mit Archäologen zusammenarbeitet.

Den Römern auf der Spur

werkzeugBleibt abschließend noch die brennende Frage, was Gerhard Kocher noch gerne finden würde? „Ein römisches Bergwerk im Lungau“, muss er nicht lange überlegen. Die Spuren der Römer im Lungau – wie Immurium, der Marmorsteinbruch und mancher Straßenstein – sind allseits bekannt. Demnach sollte es sicher sein, dass es auch römischen Bergbau gab. „Das Problem ist, dass die Stollen im Mittelalter überarbeitet wurden und somit keine Spuren zurückgeblieben sind.“ Hier wäre schon ein besonders glücklicher Zufall vonnöten!

Die Keramikkacheln aus Sauerfeld stammen übrigens ursprünglich aus Ramingstein. Das hat Gerhard Kocher sogleich akribisch recherchiert. Aus dem Wohnschloss “Wintergrün” stammen sie, dem damaligen Bergbauzentrum und heutigen Sitz des Schwarzenberg’schen Forst. Das ist ziemlich sicher. Wir sind schon wieder überwältigt…

 


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