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„Backstage“ in der Natur mit Fritz Messner

Einmal nicht zum Interview hinter der Konzert- oder Theaterbühne, sondern zum sehr privaten Gespräch während eines Waldmarsches am Höfer Berg bei St. Michael hat Fritz Messner eingeladen. Es ist ein ganz besonderer, sein privater „Backstage-Bereich“, den sich der „Querschläger“, Songschreiber und Sänger, Mundart-Texter und Kolumnist, Kabarettist und Lehrer hier ausgesucht hat. Kreuz und quer führen die vielen, teils verlegten und verwachsenen Wege. Hier in der Natur, nahe seinem Zuhause „auf da Glåshüttn“, findet der 51-jährige Künstler die nötige Ruhe und Inspiration. Er tankt Energie an mystischen Plätzen, darunter solchen, von denen aus man nicht nur seinen Heimatort St. Michael aus einem anderen Blickwinkel sieht.

Eine Ehre ist es, die Begleitung von Fritz Messner bei seinem Waldmarsch zu sein – den Marsch absolviert er mehrmals wöchentlich. „Då herobn woa no nia jemand mit mir unterwegs. Außer meiner Frau Gabi. Aber sie geht nid gern gånz aufi, i nid gern bergåb, deswegn draht sie ba da Mittn um und holt mi obn åb“, verrät der 51-Jährige. Mit Bergschuhen und Wanderstöcken geht es auf Erkundungstour durch den Wald am Höfer Berg. Erst in Richtung Sommeregg und Bärnkogel, aber diesmal nicht bis ganz zum Sender hinauf. Abgesehen von einer Schwammerlsucherin und zwei Altbauern im Forst ist sonst niemand unterwegs. Ohne mit touristisch-plakativem „Mei is es då schee bei enk“ oder „Na, so idyllisch“ auszukommen, verläuft die Unterhaltung über die Einmaligkeit dieses Rückzugsortes.

Dort draußen in der Natur sieht man vieles aus anderen Perspektiven. Und es eröffnen sich neue Sichtweisen. Klar und unverfälscht sollen diese sein, auf eine Art, wie sie uns Fritz Messner seit Jahren in seinen Texten und Liedern vermittelt. Er, „auf da Höf geboren“ und „auf da Glåshüttn dahoam“, ist wohl Authentizität und Ehrlichkeit in Person. Auch deshalb, weil er Lungauer Dialekt spricht, schreibt und singt. Die Bewegung im Wald ist für den „Querschläger“ eine Möglichkeit zum Kraft Tanken, die Natur ist Inspiration. „Draußen ist mein größtes Arbeitszimmer“, sagt er und stellt den Begriff „komponieren“ lieber in die Klassik-Ecke. Denn er „schreibt“ und das erfolgt in drei Stufen, wie er erklärt: „Erstens: leben und beobachten. Zweitens: reflektieren und filtern.“ Das passiert beides vorwiegend bei diesen Waldtouren. „Drittens: schreiben und mit Gitarre und Keyboard weiter daran arbeiten.“ Dies geschieht dann in seinem Büro daheim. Klein und praktisch ist es, ein Schreibtisch und ein Stuhl stellen das bescheidene Inventar dar. „Von meim Drehsessel aus erwische ich ålls, wås ich brauch: Die Instrumente, den Computer ….“

Sitzfleisch hat Fritz Messner, der neben seinen regelmäßigen Wanderungen auch auf dem Fahrrad oder im Winter auf Tourenschiern gesehen wird, sowieso keines. „Sitzen ist nid so meins“, sagt er und verweist auf die griechischen Peripatetiker und ihre Säulenhallen („Peripatos“ bedeutet: „Wandelhalle“), in denen sie während ihrer Diskussionen und beim Nachdenken umhergingen. „I måch des a so. Meine Säulen san hålt Lärchn und Fichtn.“ Dass ihm immer wieder neue Lieder einfallen und er es scheinbar unendlich vermag, seine Geschichten in Wort- und Satzspiele zu verpacken, kreativ und immer auf den Punkt gebracht, dafür hat der Künstler selbst keine Erklärung. „Des wundert mi a! Wånn wieder a Liad oder a Kabarettnummer fertig ist, denk i ma oft: Jetzt is das Thema åba erledigt! Und dånn kimmt do ållweil wieder a neuer Ansåtzpunkt.“ Zur Freude der Hörer-, Zuseher- und Leserschaft!

Kurze Gehpause an einem der mystischen Plätze, wie sie uns Fritz Messner beim Weggehen schon angekündigt hat. Jetzt der Blick über St. Michael, sein „Michee“, über die Autobahn, die der Musiker schon oft besungen hat. „Ma schaut då über verschiedene Abschnitte von meim Lebn. Unter uns vor der heutign Mautstell im Ortsteil Höf is mei Geburtshaus, des Haus va meine Großeltern steht drübn glei nebn der Glåshüttn, des san de Plätz va meiner Kindheit. Mei Großonkel – i wohn jetzt in seim Haus –håt of då herobn Holz gmåcht und noch mitn Schlitten ins Tål zogn. Weiter drüben da Mårkt mit meim Elternhaus im Schoadagassl und mit da Hauptschul, ebenfalls wichtige Stationen.“ Als Lehrer ist er seit drei Jahren freigestellt. Nun praktisch freischaffend, lässt er offen, ob es eine Rückkehr geben wird. „Schau ma amål. Es Lehrer-Sei håt ma ållweil an Spaß gmåcht, zum Beispiel junge Leut motivieren, selber Liada z’schreiben, Bilder z’måln.“

Ein Lied, „Sunnawend-Wånd“, das der „Querschläger“ geschrieben hat, handelt von einem Platz am Höfer Berg, den es nicht mehr gibt. Denn der Wald hat sich verändert. Nicht nur zum Positiven. Dass hier teilweise aufgrund von „teils großflächigen Schlägerungen mit einem High-Tec-Monstergerät namens ‚Harvester’ nun stellenweise eine Art Tundra herrscht“, freut ihn nicht unbedingt. Ein Lied darüber ist übrigens gerade in Arbeit. „A Wahnsinn, wia si damit a de Liacht- und Raumverhältnisse ändern, månche Stellen dakennst fåst nimmer“, stellt der Naturliebhaber fest.

Veränderungen – inwieweit trifft dies eigentlich auf den Kunst- und Kultur-Tausendsassa Fritz Messner zu? „I glab, i bin über de Jåhr ziemlich da Gleiche bliebn, åber des miasn åndere beurteilen. I kånn nur sågn, dass in meim Leben nix so plant wår, wia’s jetzt is. I wollt seit meim zwölftn Lebensjåhr ållweil nur Liada schreibn und singen. Des håt si ålls so ergeben“, sagt er. Musik, Theater, Literatur, die Erfolge nimmt er dankbar an. Ebenso Auszeichnungen, wie den Walter-Kraus-Mundartpreis, der ihm heuer verliehen wurde und der ihn schon mit Stolz erfüllt. „Då håb i mi ehrlich gfreit! Weil då Leut in der Jury sitzen, de si intensiv mit Dialektliteratur in veschiedensten Facetten beschäftigen.“ Über die schwierigen Anfänge der „Querschläger“, lange Zeit umstritten, darf man Fritz Messner dennoch fragen. Er beurteilt seinen musikalischen Werdegang realistisch: „Vom Nestbeschmutzer und Kinder-Vazahra zum inneralpinen Heiland und Aushängeschild. Ist ja beides voi daneben“, steht er der heute so positiven Stimmung dann doch nicht ganz ohne Zweifel gegenüber.

Diese Skepsis sollte ihm jedoch die Sommerkonzerttour 2014 der „Querschläger“ schnell wieder nehmen! Es waren einmalige Locations und ein begeistertes Publikum in sämtlichen Bundesländern, kombiniert mit Aufenthalten, die die Band dann auch abseits des Auftrittes genießt. Danach hat sich Fritz Messner fünf Wochen freigenommen. Vorwiegend „tschün“ soll auf dem Tagesprogramm stehen. Die Arbeit an der neuen CD, die im März 2015 im Salzburger Landestheater präsentiert werden soll, mit den oftmaligen Fahrten ins Roabeewelt-Studio der „Querschläger“ nach Bischofshofen gehört für ihn zum Chillen scheinbar dazu.

Abschluss der ausgiebigen Wanderung im alten St. Michaeler Gemeindesteinbruch. Wieder ein geheimnisvoller Ort. Die felsdurchzogene Lichtung inmitten des Dickichts des Waldes gewährt Aus- und Himmelblick. Und auch wieder ein Stück der persönlichen Geschichte Fritz Messners. Sein Opa hat hier bis zur Pension als Sprengmeister gearbeitet. Bis in die Siebziger Jahre war der Gemeinde-​steinbruch in Betrieb. „I måg so morbide Såchn, an denen ma de Zeit siahgt. De Zeit vergeht, die Såchn ändern si. A ålls wås mit Menschn z’toa håt, ändert si. Deswegn is jå a so a Språch wia da Dialekt nie endgültig.“ Die einzige Nicht-Veränderung, derer man sich ziemlich sicher sein darf, betrifft den Akteur selbst. Genauer gesagt, seine Optik: „I håb an Båcht seit i 16 bin – und der bleibt, solång a ma nid ausfällt!“

Fritz Messner hat einen Vormittag lang seinen privaten Backstage-Bereich geöffnet. Und nun, wird er hier auch künftig noch alleine des Weges gehen können? Von Fans aufgelauert zu werden, davor fürchtet sich die 1,90-Meter- und um 25-Kilogramm-erschlankte Erscheinung nicht. „Des Schöne ba uns is jå: Mir håbn koane Fans, sondern Zuhörer. Des is a gewaltiger Unterschied, wia Tåg und Nåcht.“ Obwohl der „Querschläger“ mittlerweile auch fern der Heimatgrenzen in der Öffentlichkeit erkannt wird, hat er auf dem Höfer Berg diesbezüglich also keine Bedenken. Muss er auch nicht, angesichts seines Aufwärts-Gehvermögens und Tempos könnte ihm ohnehin nicht jeder folgen.

Andrea Kocher

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