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Da müsste Musik sein…

… und da ist sie auch! Den Lungau einmal ganz klassisch zu betrachten, so lautete die Herausforderung. Mit dem Ergebnis, Musik und Gesang in Perfektion vorzufinden. Bemerkenswert, wie hochkarätig „klassisch“ ein kleines Landjuwel doch sein kann!
 Ein Artikel von Andrea Kocher

Pianist Kirill Gerstein hat schon einmal im Tamsweger Gymnasium konzertiert. Auch Harriet Krijgh war mit ihrem Violoncello im Lungau schon zu hören. „Und erst kürzlich“, so erzählen Laura Hager und Teresa Fingerlos, die zwei Lungauerinnen im Künstlerischen Betriebsbüro der Jeunesse in Wien, „gastierte mit Matthias Schorn und seinem Ensemble Faltenradio die Crème de la Crème der Klarinettenszene auf Burg Mauterndorf.“ Immer wieder also findet sich das Who is Who der internationalen klassischen Musikszene im Lungau. Es sind dies, nur ist das vielen nicht bekannt, Musiker und Sänger, die Weltruf besitzen und die wichtigsten Wettbewerbe und Förderungen gewonnen haben.

Die Region als Konzertbühne

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Laura Hager und Teresa Fingerlos Foto: www.kaindl-hoenig.com

Das Veranstaltungsangebot ist also hochkarätig, und dennoch ist der Konzertgästereigen überschaubar. Das Publikum muss in gewisser Weise motiviert werden. „Das Konzert wird attraktiver, sobald es mit einem gesellschaftlichen Ereignis verbunden ist, wie bei einem Musikfest zum Beispiel. Schwierig wird es halt dann, wenn Musiker von außen kommen und nur eine Handvoll Zuhörer deren Namen oder die gespielten Werke erkennt“, so Laura Hager. Dafür sei das Publikum umso dankbarer. Das kann Horst Hofer, Lungau Big Band-Gründer und seit 30 Jahren, gemeinsam mit der Kulturvereinigung, Veranstalter der Kirchenkonzertreihe in St. Leonhard, bestätigen. „Wenn 200 Zuhörer in einem klassischen Konzert sitzen, dann ist das doch schon allerhand“, sieht es der gebürtige Lungauer positiv. Die sieben Kirchenkonzerte (auch heuer wieder im Juli und August) etwa freuen sich primär über Stammpublikum, es kommen Einheimische und Touristen. Der Zuspruch ist wohl auf den einzigartigen Schauplatz mit optimaler Akustik und unvergleichlicher Atmosphäre zurückzuführen, vor allem aber auf die musikalische Qualität. Solisten- und Chororchesterkonzerte, Kammermusik, auch hochwertige Volksmusik – in der St. Leonhardskirche trafen schon viele professionelle Ensembles wie das Mozarteum Orchester und die Wiener Philharmoniker auf heimische Profis und Talente.

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Rafael Fingerlos Foto: www.neumayr.cc

Die musikalische Nahversorgung funktioniert natürlich weit über die Kirchenkonzerte hinaus. Allein die Lungauer Kulturvereinigung bietet durchschnittlich 150 Veranstaltungen pro Jahr an, mit Augenmerk auf das Kinderpublikum. Auch die Jeunesse – Musikalische Jugend Österreichs, die sich die Förderung von jungen Talenten in Österreich zur Aufgabe gemacht hat und deren Geschäftsstelle im Lungau (geleitet von Robert Wimmer) nächstes Jahr das 40-jährige Jubiläum feiert, bietet eine breite, sehr hochwertige Konzertpalette. Dazu setzen Gemeinden Schwerpunkte, Schulen und Vereine, im Besonderen das Musikum sind aktiv. Klassische Musik ist somit Teil der Kultur und prägt die Region, die Kulturpolitik ist mitentscheidend. Tamswegs Bürgermeister Georg Gappmayer kennt beide Seiten. „Kulturpolitik kann und muss die Rahmenbedingungen für ein kreatives, freies Schaffen in verschiedene Richtungen ermöglichen. Ob Instrument oder Gesang, der Lungau hat auf Grund der hohen musikalischen Ausbildung und der starken Regionalität Künstlerinnen und Künstler auf höchstem Niveau“, betont der studierte Musiker, der vor seinem politischen Führungsamt Lehrer am Musikum war.

Vom jungen Talent bis zum Profi

An heimischen Talenten mangelt es definitiv nicht und die Basis für die Musikausbildung ist auch im kleinen Lungau stark ausgeprägt. Die Entwicklung war gut, der Weg scheint nun vorbereiteter als er einmal war. Horst Hofer, der Trompete studierte, blickt zurück: „Zu meiner Zeit war es so, dass es noch keine Möglichkeiten für eine qualifizierte Ausbildung gab. Durch die deutliche Verbesserung des Musikunterrichtes und die Entwicklung des Musikums hat sich das entscheidend geändert. Kinder bekommen schon früh die Möglichkeit, in Ensembles zu spielen. Das bringt sie zur Entscheidung, dass sie sich auf eine professionelle Ausbildung einlassen.“

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Ventus Quintett Foto: ANDREAS HAUCH

Der Weg zum Brotberuf, also zum Mitglied in Orchestern zum Beispiel oder zum professionellen Sänger führt über Talent, Fleiß, Disziplin und eine fundierte Ausbildung von Kindheit an, im besten Fall über das Konzertfach an einer Musikuniversität. Diesen Weg haben so einige Lungauer Künstler bravourös geschafft. Bariton Rafael Fingerlos gilt als einer der derzeit aufstrebendsten Sänger. Die Musikernamen Markus Hauser (u. a. Mitglied des Ventus Quintetts), Anna Dekan (u. a. Musikerin des Adamas Quartetts), Clemens Gordon, Thomas und Michael Steinwender sind längst ein Begriff – die Liste der Lungauer Talente ließe sich mit vielen weiteren Namen fortsetzen. So wie Sportler im Wettkampf über Siege ihr Leistungsvermögen definieren, so tun es auch Musiker und Sänger im Wettbewerb. Ein Preis bei prima la musica, dem österreichweit größten Jugendförderungswettbewerb, ist oft die Initialzündung für eine erfolgreiche Musikerlaufbahn.

Musikalische Wurzeln im direkten Umfeld

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Adamas Quartett Foto: Julia Wesely

Der Ursprung jedoch liegt auch hier im Kleinen. Viele der späteren Erfolgskünstler haben ihre Wurzeln in der Familienmusik, erinnern sich an ihre ersten Gesangs- und Instrumentallehrer und an die lehrreiche Zeit in der Schule sowie im Musikum. Vieler Künstler Anfänge stehen in den Blasmusikkapellen, die ebenso wertvollste Arbeit in der Ausbildung leisten. Neben den ausgebildeten Musikkönnern dürfen die „Freizeit-Profis“, wie Laura Hager sie treffend bezeichnet, nicht vergessen werden: „Das sind meist keine ausgebildeten Musiker oder Musiklehrer. Das sind Allrounder, die sich nicht selbst in den Vordergrund stellen, sondern ihren Enthusiasmus weitergeben möchten – ihr Wirken ist unbezahlbar. Sie sind bemüht, andere zu fördern, und dadurch entsteht so eine bunte Szene!“

Klein, das bleibt der Lungau in „klassischer“ Hinsicht also keineswegs. Im Gegenteil, hier werden ganz große Töne gespielt!

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