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Der Lungau und „die wilden Sechziger“

Farah Diba-Frisur und Bikini, Tanzkapellen, VW-Käfer und Urlaub an der Adria, Schilauf, Fernsehen, Coca Cola und Gulaschsuppe. Die 1960er Jahre gelten als Zeit des Aufschwungs nach den Nachkriegsjahren. Auch an dem von Tauern, Katschberg und Murtal eingekesselten Lungau sind Trends und Entwicklungen keineswegs vorbeigezogen. Im Gegenteil, Mode-Erscheinungen bahnten sich ihren Weg ins Innergebirg. Ab Mai wird in einer Sonderausstellung im Heimatmuseum Tamsweg zu sehen sein, was im Lungau damals boomte, was die Region prägte und bewegte.

Zumindest in den Märkten waren die Sechziger-Jahre allgegenwärtig. Man sah nach und nach Frauen in langen Hosen, hat Toast Hawai gegessen und auf einem der vielen Bälle gefeiert. Wie es in den landwirtschaftlich strukturierten Tälern aussah, das ist wieder etwas anderes“, schicken Fini und Anton Heitzmann voraus. Beide kennen den Lungau und seine Geschichte gut; das Tamsweger Ehepaar ist seit 1993 ehrenamtlich als Kustoden um das Heimatmuseum Tamsweg engagiert. Bemüht sind die Heitzmanns auch um die aktuelle Sonderausstellung „Beatles, Käfer, Minirock – der Lungau in den 1960er Jahren“. Anlass gibt das Gründungsjubiläum des Museums: Es wurde 1965 eröffnet, mitten in den „wilden Sechzigern“ also. Der gerne als „hinterwäldlerisch“ beurteilte Lungau habe sich damals sehr wohl Trends und Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen gezeigt. Es war vielmehr so, dass „der Lungau immer wendig sein musste, aufgrund seiner Struktur und Gegebenheiten.“

Bei der Ausstellung werden es hauptsächlich Fotos sein, die, in verschiedene Kategorien auf Schautafeln arrangiert, die Zeitreise begleiten. Auch manch typische Alltagsgegenstände konnten die Kustoden auftreiben – sind doch viele Lungauer dem Aufruf gefolgt, Zeitzeuge-Objekte als Leihgabe zur Verfügung zu stellen. Vom alten Tennisschläger bis zur Trockenhaube, vom Fotoapparat bis zum selbst genähten Strand-Outfit, von der elektrischen Heizdecke bis zum Blümchenteller ist alles dabei. Und auch Fini Heitzmanns eigener erster Plattenspieler, von ihren ersten Löhnen auf Raten bei „Donauland“ gekauft! Lediglich eines fehlt noch in der Sammlung: „Eine dieser venezianischen Gondeln, die damals jeder aus dem Italien-Urlaub als Souvenir mit nach Hause nahm“, erwähnt Anton Heitzmann schmunzelnd.

Der Boom der Urlaubsfahrten an die Adria war es übrigens auch, der das erste gröbere Verkehrsproblem über den Radstädter Tauern in den Lungau mit sich zog. „Es mussten ja alle Autos durch die Orte durch, das bedeutete Staus mitten durch die Zentren.“ Außerdem bezeichnend für die 1960er-Jahre der aufkommende Schilauf (die Zeit der Dorfschilifte), Wohn- und Schulbauten und ein sehr aktives Gesellschafts- und Vereinsleben.

Bereits seit einem Jahr kreisen die Gedanken von Anton und Fini Heitzmann um die Sonderausstellung. „Die Vorbereitungen sind immer eine spannende Arbeit. Zu diesem Thema hat es richtig Spaß gemacht, und es wurden auch für uns selbst manche Erinnerungen wach“, freuen sie sich auf die Eröffnung am 17. Mai. Infos unter www.museumsportal.com.

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