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Diese Donnerstage im Sommer – allesamt musikalische Glanzpunkte

„Hochkarätig“. Diese Eigenschaft kann man eigentlich nicht mehr steigern. Man kann aber versuchen, dem Ausdruck zu verleihen. Und dies ist mit der Konzertreihe „Musiksommer St. Leonhard“ in Tamsweg gelungen. Auch in diesem Sommer – an sieben Donnerstagen – darf man sich hier mit Erkenntnissen wie „höchstes musikalisches Niveau in einzigartigem Ambiente“ auseinandersetzen.
Ein Artikel von Andrea Kocher
Foto: Andrea Kocher

Foto: Andrea Kocher

Die Wallfahrtskirche St. Leonhard in Tamsweg ist Wahrzeichen des Ortes, Ziel des Salzburger Pilgerweges sowie musikalisches Zentrum der klassischen Konzertmusik. Was Mitte der Achtzigerjahre mit einem, damals schon hochwertigen Konzert in der Kirche begann, hat sich zur begehrten Konzertreihe unter der Marke „Musiksommer St. Leonhard“ entwickelt. Die perfekte Akustik, die außerordentliche Atmosphäre des Gotteshauses, der besondere Platz im Altarraum sowie auf der Empore, der ausgezeichnete Klang der Orgel: Das alles erklärt, weshalb die Kirche für Musiker wie Publikum als Konzertort geschätzt wird. Viele Meister ihres musikalischen Faches haben St. Leonhard schon beehrt. Waren es anfangs vornehmlich Trompeten- und Orgelkonzerte, ist es heute eine unermessliche Vielfalt an Ensembles und Solisten sowie auch Orchestern und Chören, wie etwa der prominente Bach-Chor, die seither im Lungau gastierten.
Die Vergangenheit ist zweifelsohne bemerkenswert – und dennoch kann Organisator Horst Hofer für 2019 erneut mit sieben exzellent besetzten Konzerten sowie mit neuen Besonderheiten aufwarten: Mit dem Holzbläserquintett der Münchener Philharmoniker (25. Juli), Weltklasse-Trompeter Matthias Höfs aus Hamburg (22. August) und dem Minguet Quartett aus Köln (29. August) konnten gleich drei etikettierte Künstler aus Deutschland gewonnen werden.
Unbedingt erwähnt seien auch das Mozarteum Quartett Salzburg (1. August) sowie die „Salzburger Heimatklänge“, ein Abend mit echter Volksmusik unter der Leitung von Daniel Vereno (15. August).

Bach-Chor Foto: Horst Hofer

Bach-Chor
Foto: Horst Hofer

Heimische Talente zur Eröffnung
Dito absolutes Highlight ist schon der Auftakt: Am 18. Juli gibt es mit dem LuNo Winds sogleich das geballte Können heimischer sinfonischer Blasmusik. Horst Hofer betont: „LuNo Winds ist eine super Initiative von Roman Gruber. Für den Musiksommer St. Leonhard wurde extra ein Programm überlegt, das auf den Kirchenraum abgestimmt ist.“ Das Blasorchester, das sich als Auswahl- und Ausbildungsorchester versteht, verspricht also ein überaus anspruchsvolles Programm. Die Akteure in der Formation sind ambitionierte Nachwuchsmusiker mit bereits hohem Niveau, die Seite an Seite mit etablierten Meistern aus den heimischen Musikkapellen spielen. Geführt wird LuNo Winds von drei bekannten Größen der Lungauer Blasmusik: Die künstlerische Leitung führen Bezirkskapellmeister Roman Gruber (Zederhaus) und Peter Stiegler (St. Margarethen) aus. Christian Berchthaler (Tamsweg) steht als Orchestermanager zur Verfügung. „Das wird eine tolle Geschichte und ist auch für uns ganz neu“, freut sich Horst Hofer auf das Musiksommer-Eröffnungskonzert, „ein Blasorchester hatten wir noch nie in der Wallfahrtskirche St. Leonhard.“
Das Wiener Orchesterspiel in Perfektion wird heuer durch das Attergau Institute Orchestra in den Lungau getragen (8. August). Topstudenten aus aller Welt kommen zu diesem, von den Wiener Philharmonikern initiierten Workshop nach Oberösterreich. Dirigent Thomas Hengelbrock, der heuer auch bei den Salzburger Festspielen am Pult steht, ist der prominente Name dahinter – und wird mit dem gesamten Orchester nach intensiven Probetagen nach Tamsweg kommen. Eine echte Win-Win-Situation: „Wir freuen uns über ein hochkarätiges Konzert, im Gegenzug ist es für das Orchester schön, an einem so großartigen Ort das zu präsentieren, was es im Workshop mit den Philharmonikern studiert hat“, so Horst Hofer.

Matthias Höfs Foto: Matthias Höfs

Matthias Höfs
Foto: Matthias Höfs

Ein Jahr für Planung und Vorbereitung
Als Gründer der Konzertreihe ist er von Beginn an die Person hinter dem Musiksommer St. Leonhard. Er war noch Trompeter bei der Bürgermusik Tamsweg und Student am Mozarteum Salzburg, als er begann, die ersten klassischen Konzerte in der Kirche zu organisieren. Mittlerweile kennt man den Profimusiker vor allem als Leiter der Lungau Big Band und nicht zuletzt ist Horst Hofer jede Woche live bei ServusTV im „Sport und Talk im Hangar 7“ zu sehen.
Dass er in der Szene jahrzehntelang aktiv ist, darin begründen sich auch die guten Kontakte zu Musikern weit über die österreichischen Grenzen hinaus. „Jeder Musiker freut sich, wenn er eingeladen wird und seine Musik präsentieren kann. Die Herausforderung ist dann eher die terminliche Koordination“, erklärt Horst Hofer, der ein Jahr Vorbereitungen für den Musiksommer einkalkuliert und deshalb in Gedanken schon jetzt bei der Programmgestaltung für 2020 ist. Es freut ihn, dass sich die Konzertreihe etabliert hat und sich überdies – mit dem klassischen Schwerpunkt – bestens in das Jahres-programm der Lungaukultur einordnet. Ebenso, dass nicht nur internationale Musikgranden die Historie der Konzerte in St. Leonhard mitschreiben: auch viele beachtenswerte Künstler aus dem Lungau sind dabei.

Thomas Hengelbrock Foto: Florence Grandidier

Thomas Hengelbrock
Foto: Florence Grandidier

Konzertbesuch mit Ritual
Das Publikum weiß es zu würdigen, treue Stammbesucher ebenso wie Touristen. Die Gäste der Region geben dann meist im Besonderen ihre Begeisterung zum Ausdruck, „in der Provinz“ eine derart ansprechende Location und ein erstklassiges Programm geboten zu bekommen, wie es sonst nur in Städten zu finden ist. Die Konzertabende am Leonhardsberg sind aber auch deshalb einzigartig, da das gesamte Umfeld stimmt. „Es heißt ja, dass St. Leonhard ein besonderer Kraftplatz ist. Das merkt man auch beim Klangerlebnis im Kirchenraum“, fügt Horst Hofer hinzu. So gehört es für viele zum Ritual, zu Fuß vom Ursprung zur Kirche hinauf zu gehen und sich auf diese Weise auf das Konzert einzustimmen. Und auch an Verpflegung fehlt es nicht: Dafür sorgen Bewohner des Lebenshilfe-Wohnheimes in Tamsweg, die Brötchen und Getränke gegen eine freiwillige Spende anbieten.
Was die Konzertreihe noch ausmacht, sind die moderaten Eintrittspreise, zu denen man diese Musikhighlights erhält. Also, Termine des Musiksommers St. Leonhard unbedingt vormerken – und die Eröffnung durch LuNo Winds am 18. Juli darf man sowieso keinesfalls verpassen!

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