Foto: Andrea Kocher

Gabriele Wieland

Soziales Engagement kann man nicht lernen, es ist einem gegeben. Dafür ist Gabriele Wieland aus Tamsweg wohl eines der besten Beispiele. Mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Optimismus stellt sie sich in vielerlei Hinsicht in den Dienst des Mitmenschen. Ihre barocke Gestalt ist dabei ebenso „Marke Gabi“ wie ihr adrettes Auftreten – und vor allem ihr großes Herz.
Ein Artikel von Andrea Kocher

Kein Wunder, dass Gabriele Wieland als Salzburgerin des Jahres 2017 für den Lungau ausgezeichnet wurde. Sie ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die in puncto Menschlichkeit ihresgleichen sucht. Gabi lebt mit ihrem Ehemann Martin auf einem kleinen Bergbauernhof am Lasaberg, oberhalb von Tamsweg. Die letzten drei Kilometer geht es durch den Wald, eindrucksvoll ist der Blick von dort über das Murtal in Richtung Steiermark. „Michein am Rain“ heißt es hier am Hof, wo die 54-Jährige die klassischen Bäuerinnen-Aufgaben ebenso erledigt wie die Verarbeitung von Fleisch- und Wurst-waren, Herstellung von Butter und Käse sowie verschiedenster bäuerlicher Produkte. „Ich bin gerne unter Menschen, fahre auch gerne mal in die Stadt und genieße das Kulturangebot. Aber genauso gerne fahre ich wieder heim und bin glücklich auf meinem Berg heroben. Weil hier kehrt Ruhe ein“, sagt Gabi und lacht: „Wenn es im Winter oft einen Tag durchgehend schneit, bin ich froh: Keiner kommt zu mir herauf und ich muss nirgends hin!“

Haushalt, Garten, Milchgeschirr. Dazu verschiedene Jobs und mehrere Ehrenämter, voran die Katholische Frauenbewegung, das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes und der Chor „Hoffnung“. Ihr Geld verdient Gabi, die eigentlich gelernte Einzelhandelskauffrau mit Schwerpunkt Lederwaren ist und auch eine Krankenpflegerin-Ausbildung absolviert hat, mit sozialer Tätigkeit. Durch die anschließende Ausbildung zur zertifizierten Lern-, Denk- und Gedächtnistrainerin hat sie schließlich ein weiteres Standbein geschaffen.

Sie absolvierte Zusatzqualifikationen für Kinder und Senioren sowie für Tourismus und Wirtschaft und forcierte so ihre Arbeit in der Erwachsenenbildung. „Damals, vor nun über zehn Jahren, begann
mit ‚Selbstbestimmt und
kreativ‘ für Senioren meine Kurstätigkeit“, erzählt die Tamswegerin. Denn, nur ein Gedächtnis, das geübt wird, bleibt. Es ist wichtig, für das Gehirn etwas zu tun. Gerade im Alter. „Es geht darum, dass man sich eine Ersatzaufgabe sucht, sobald man eine gewisse Tätigkeit mit zunehmendem Alter nicht mehr tun kann. Das Angebot ‚Selbstbestimmt und kreativ‘ gibt es übrigens immer noch.“

Ehrenamt in profitorientierten Zeiten wie diesen – für Gabi keine Frage, sich zu jeder möglichen Zeit ehrenamtlich in den Dienst der Mitmenschen zu stellen.

Seit 1990 ist sie Mitglied der Katholischen Frauenbewegung, seit fünf Jahren leitet sie die Organisation gemeinsam mit ihrer Freundin Maria Gappmayr, Kämpferhofbäuerin auf der Haiden bei Tamsweg. „Ich bin da hineingewachsen. Es ist schön, wenn alle Frauen zusammenhelfen, ob wir nun für den alljährlichen Adventmarkt basteln und backen oder Einladungen austragen.“ Ihr zweites Herzblut liegt im Chor „Hoffnung“, eine
Singgemeinschaft, deren Konzerte ausschließlich kari-tativen Zwecken dienen. Und im Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes leistet Gabi unter anderen engagierten Helfern wertvollsten Beistand bei Schicksalsschlägen. Klassische Bürozeiten gibt es bei Gabi nicht.

Und dann wäre da noch die Familie, das Allerwichtigste. Am meisten genießt sie die Zeit mit ihren fünf Enkerln, die Kinder ihrer beiden Töchter Elisabeth und Barbara. Sohn Johannes studiert in Graz und ist passionierter Musiker – er wird einmal den elterlichen Hof übernehmen. „Ich bin sehr stolz darauf, dass unsere Familie fünf Genera-tionen vereint.“

Dass ihr Lebensalltag und ihr Engagement ohne die Familie nicht möglich wäre, das weiß Gabi sehr zu schätzen. „Meine Familie steht immer hinter mir.“

Derzeit ist Gabi vor allem bei Kochkursen eingeteilt. Mit ihrer Erfahrung als bäuerlicher Lebensmittelproduzent sowie Biomilchlieferant ist sie Vorstandsmitglied und eine der Kursleiterinnen im „Lungauer Kochwerk“, zuletzt begleitete sie das kulinarischintegrative Treffen von „Syrien trifft Lungau“.

Gabriele Wieland ist multiaktiv. Eine würdige „Salzburgerin des Jahres 2017“. An ihr können sich viele ein Beispiel nehmen. Leutselig und dann auch gerne wieder „allein“. Am Prebersee etwa, einem ihrer Lieblingsplätze, wobei es sein kann, „dass ich schon um 6 Uhr früh oben bin und den See durchschwimme. Die Ruhe des Sees ist traumhaft!“

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