Ultralaeufer_die_lungauerin

Im Lauf des Lebens

Reinhold Schager, der Lungauer Ultraläufer, ist ein besonderer, in mancher Hinsicht recht untypischer Sportler. Ein absoluter Familienmensch ist der 41-jährige Ehemann und zweifache Vater ebenfalls. Was ihn als Athlet und als Persönlichkeit auszeichnet, zeigt das Resümee des Tages, durch den ihn die Lungauerin begleiten durfte.

Frisches Gebäck für das gemeinsame Frühstück haben Reini Schager und sein 8-jähriger Sohn Felix an diesem Samstag schon um halb sieben früh beim Bäcker im Ort besorgt. Diesmal erledigten sie, die außerhalb von St. Michael im Ortsteil Höf wohnen, den Einkauf rasch mit dem Auto. Fast ungewohnt, denn Kilometer an sich sind für den Ultraläufer das geringste „Problem“. Mit Langdistanzläufen wie dem „Mozart 100“ und dem „Race across Burgenland“ (218 Kilometer), das er gewann, ist der Lungauer bekannt geworden. Herausragend auch seine Leistung letztes Jahr beim „Marathon de Sables“, dem 6-Tages-Etappen-Wüstenlauf durch die marokkanische Sahara (260 Kilometer). Nun fasst er das nächste Highlight ins Visier: Den „Ultra-Trail du Mont Blanc“, ein 170-Kilometer-Nonstoplauf, bei dem das Gebirgsmassiv in den französischen Alpen „umrundet“ wird. 10.000 Höhenmeter bergauf und ebenso viele bergab werden es sein. Die Profis schaffen dies in 21 Stunden, Reini Schager will in zirka 25 Stunden finishen.

Familie, Beruf, Hobby

Beim gemeinsamen Frühstück sind auch Ehefrau Carmen und Tochter Elisa (13) da. Denn, die Familie bespricht hier immer das Tagesprogramm. Möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen, gilt als die organisatorische Herausforderung. Unabhängig vom Training des sportlichen Papas steht fest, dass der Nachmittag „voll und ganz den Kindern gewidmet wird“. Draußen sein, im Garten entspannen, in der Natur Energie tanken, gemütlich am Balkon sitzen. Spaziergänge und Radtouren, aber auch Shopping und Ausflüge sind Aktivitäten, die man am Küchentisch plant. „Familie, Beruf, Hobby – genau in dieser Reihenfolge, volle Aufmerksamkeit der Familie“, betont der Sportler.

Mit Laufschuhen auf „Skisafari“

Es drängt sich aber dann doch die Frage nach der am Wochenende üblichen Trainingseinheit auf. Unmöglich, Reini Schager auf seiner obligaten „Runde“ zu folgen: Den Höferberg hinauf auf den Katschberg, dann das Tschanek, zurück auf die Katschberghöhe, auf das Aineck und über die „A1“-Piste hinunter nach St. Margarethen. Das Ganze selbstverständlich retour und mit Laufschuhen. Manchmal „nehme ich auch das Speiereck noch mit“. Kopfschütteln und erstaunte Gesichter ist der Ausnahme-Athlet gewohnt, wenn er Skifahrern entgegenläuft, oder gar Tourenskigeher überholt. „Ob ich meine Brettl verloren habe oder ein Irrer bin, werde ich gefragt. Viele feuern mich aber auch an, sind beeindruckt. Das ist dann sehr motivierend!“ 26 Kilometer und 3.000 Höhenmeter legt er über diese Trainingsdistanz zurück.

Kein typisches Sportler-Frühstück

Es verwundert umso mehr, dass der morgendliche Ultraläufer-Energieschub keineswegs aus Müsli, Obst, Joghurt oder Schinken und Ei besteht. „Am liebsten sind mir drei bis vier Kornspitz mit Butter und Marmelade“, stärkt er sich mit einfachen Mitteln und verweist auf Allergien: „Ich muss beim Essen sehr aufpassen.“ Auf den Tisch kommen Vollkornprodukte wie Nudeln aus Vollkorn, viel frisches Obst und Gemüse, aber auch Fleisch und Fisch. Wichtig: Frische Zutaten und frisch gekocht muss es sein. Auf Trainingskonsequenz und Ernährung zu achten, macht ihm auch sein Job nicht leichter. Seit über zwanzig Jahren ist der Kfz-Meister als Werkstättenleiter bei BMW Frey in Salzburg beschäftigt, somit als Pendler „auswärts“ stationiert. Einer der Gründe, weshalb ein Trainingsplan für Reini Schager keinen Sinn macht und er sich lieber auf sein Gefühl verlässt. Aus früheren Fehlern hat er gelernt, sagt er, es läuft auch ohne Trainingsplan recht gut. Außerdem: „Das Laufen ist mein Hobby und das soll es auch bleiben“, betont der Sportler, der in dieser Zeit der Bewegung lieber für sich selbst ist – ein „Einzelkämpfer“, wenn man es so sagen will. Sich nach einem langen Arbeitstag noch zum Laufen zu motivieren, unabhängig von Jahreszeit und Wetter, dafür hat auch er sich kleine Tricks zurechtgelegt. Ein gutes Essen, etwa, ist die Belohnung – und keineswegs sind es für Sportler typische Annehmlichkeiten, wie Sauna oder Massage.

Eine ausgiebige Dusche muss es nach dem Run aber schon sein. An diesem Samstag, beim verspäteten Mittagessen, werden die leeren Energiespeicher aufgefüllt. Der Rest des Nachmittages gehört, wie versprochen, den Kindern. Felix holt sein ferngesteuertes Auto, danach „einfach spielen“. Nach dem Abendessen noch kurz an den Computer, ein Blick auf die Arbeit und Studieren von Ergebnislisten diverser Laufbewerbe. Derzeit auch viel Recherche zum „Ultra-Trail du Mont Blanc“. Um 22 Uhr geht der Tag, wie meistens, zu Ende: „Weil man es gewohnt ist.“

Nonstop rund um den Mont Blanc

Am 28. August 2015 wird der Extrem-Berglauf um 17.30 Uhr in Chamonix gestartet. Er führt in Höhenlagen, wo im Sommer Hitze gleichermaßen wie Kälte und Schnee überraschen kann. „Ich habe ja noch ein paar Monate, um mich vorzubereiten. Deshalb mein Trainingsrhythmus mit längeren, härteren Einheiten. Dazwischen gute Regenerationszeiten. Ich muss meine Muskulatur komplett auf Berglauf umtrainieren“, ist Reini Schager optimistisch. Dank seiner bisherigen Ultraläufe und vor allem dank der Wüste ist der Lungauer ja schon so einiges gewohnt. Schwierig nur, dass es nun wieder ein ganz anderes Rennen, eine ganz neue Herausforderung ist. Alles Gute!

Andrea Kocher

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