Die versunkene Stadt

Kleine Orte, große Faszination

Der Winter war wieder einmal lang im Lungau, die Temperaturen bis weit in den Mai hinein zurückhaltend. Nun kann sie aber wieder starten, die Ausflugszeit. Wohin als Nächstes, ist die Frage? Das ist einfach: Das jüngst publizierte Buch „111 Orte im Lungau, die man gesehen haben muss“ ist ein attraktiver Ratgeber, der inspiriert. Auch zu weniger bekannten, ganz besonderen Plätzen
Ein Artikel von Andrea Kocher

Längst schon sollte zum Beispiel die Burgruine Edenvest (Thomatal) auf dem Ausflugsprogramm stehen. Und die Klementi-Kapelle oberhalb der Burg Finstergrün (Ramingstein) wartet sowieso schon Wochenende für Wochenende darauf, besucht zu werden. Aber längst sind es nicht solche historischen oder kulturellen Schätze. Es sind in erster Linie auch Menschen und ihre Handwerksstätten, Wirtshäuser sowie – natürlich – Landschaftsjuwelen und Naturdenkmäler, die Ziel der kleinen Reise durch die Heimat sein können.

11 Monate Intensiv-Recherche

Monika Schmitz Foto: Privat

Monika Schmitz
Foto: Privat

Seine eigene Umgebung kennen lernen – dazu fordert das Buch regelrecht auf. Entstanden ist es aus der Ideensammlung von Monika Schmitz, eine Kölnerin mit familiärem Bezug zum Lungau seit nunmehr 19 Jahren. Seit damals ist sie, so erzählt die Autorin, mindestens 12 Wochen im Jahr im Lungau. „Da hat sich bei all den Ausflügen und Entdeckungen schon einiges zusammengesammelt“, freut sie sich, dass aus ihrer „schlichten“ Ideensammlung nun ein strukturiertes, vielfältiges Nachschlagwerk gewachsen ist. Das Buch ist für die selbstständige Texterin und Schreiberin das Premierenwerk als Autorin. Mit jeder Menge Wissen über die Biosphärenregion als Basis hatte Monika Schmitz im Jänner 2018 mit grünem Licht des Emons-Verlages mit der Gestaltung des Buches begonnen. Danach blieben nur 11 Monate für die Fertigstellung.
Eine durchaus turbulente Zeit mit wochenweisen Aufenthalten im Lungau, um die ausgewählten Plätze bestmöglich noch einmal zu besuchen und in Text und Bild zu erarbeiten. „In dieser Zeit war jeder Tag richtig eng getaktet“, erzählt Monika Schmitz, „Fotos machen, mit den Menschen treffen, letzte Informationen sammeln. Da ist es schon vorgekommen, dass ich an einem Tag an drei bis vier Orten war.“ Von „Arbeit“ war dennoch nie zu sprechen. „Es ist ein Herzensprojekt, das ich machen wollte. Das Tollste für mich dabei waren schon die besonderen Plätze, vor allem aber all die Menschen, die Traditionen hochhalten oder besonderes Handwerk ausführen.“

Fotos: Monika Schmitz

Heimat aus anderem Blickwinkel betrachtet
So, wie gut kennt man seine Heimat eigentlich? Naturbegeisterte und Wanderfreudige wissen zumindest um die landschaftlich schönsten Plätze. Kulturliebhaber kennen die kulturellen Besonderheiten, Hobbyhistoriker die Geschichte. Und wenn es um die besten Gastronomie-Adressen geht, dann zeigen die Kulinarikfans groß auf. Aber den breiten Mix aus all dem, eine solche Sammlung gebunden in Buchform gab es bislang nicht. Wie Auswahl getroffen wurde, das wird dem Leser übrigens sogleich zu verstehen gegeben: „Die Wallfahrtskirche St. Georg – das Gotteshaus ohne Licht und Strom“ (Thomatal), „Die Künstlerei – das kleinste Kino Österreichs“ (Tamsweg), „Die Siebenschläferwand – die Mühsal des Bergbaus“ (Ramingstein). Schon der Untertitel verrät, weshalb der Platz die Berechtigung im Buch gefunden hat.

IMG_9934„places to be“ für jedes Interesse
Und genau, die „Klementi-Kapelle – dreieckig für die Dreieinigkeit“. Sie ist einer der Plätze, die seit der Publikation wahrscheinlich öfter erwähnt wurde als in den mehr als 30 Jahren seit ihrer Errichtung durch Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg. Eine Peter-Raba-Lärche oder Kandelaberfichte in Muhr hingegen mögen – ob ihrer Rolle als offizielle Naturdenkmäler – auf den ersten Blick nicht unbedingt die Anwärter für den Titel „place to be“ sein. Ihre Berechtigung im Werk haben sie aber natürlich voll und ganz. „Die Erklärung ist immer das Konzept des Buches. Die Orte, die im Buch sind, haben eines gemeinsam: etwas Besonderes, Einzigartiges, Unbekanntes“, so die Autorin zu den Auswahlkriterien. Eventuelle Beanstandungen, dass ausgerechnet ein bestimmter Platz unbeachtet blieb bzw. eben solcher auserwählt wurde? „Im Gegenteil, ich bekomme eher die Rückmeldung, dass einem als Lungauer tatsächlich einiges so überhaupt nicht bekannt war. Aber das ist klassisch: überall auf der Welt kennt man sein Umfeld – und ein paar Gemeinden weiter kann man seine Heimat schon wieder ganz neu entdecken.“

Inspiration durch Menschen und Schriften
Monika Schmitz hat sich auch an Zeitungsgeschichten und Magazinreportagen, an touristischen Empfehlungen und verschiedensten Publikationen orientiert. Danach hat sie immer ausführlich – meist weit hinter die Kulissen hinein – recherchiert. Künstler, Handwerker, kurzum, Menschen im Lungau gaben ihr die nötige Inspiration. Und sie ließ sich leiten vom Sagenbuch von Michael Dengg. Das sollte sich beispielsweise in den Beiträgen über den Twenger Almsee (die Sage vom Ochsenjoch) sowie über die Hexenglocke in Muhr wiederfinden.
111 Orte, die eigentlich mindestens 222 Plätze sind. Denn jeder Erwähnung eines Ortes folgt mindestens eine weitere Empfehlung – und diese könnten noch durch viele andere Tipps ergänzt werden. So lange, bis sich der Kreis in der Region wieder schließt und die Reise dann wieder von vorne beginnen kann. So kann sich jeder das für sich passende Lieblingsplatzerl aus dem Buch aussuchen. Weil es eben kein Gasthausführer ist, nicht die Top-10-Sehenswürdigkeiten beschreibt, nicht die Bergseen und bedeutendsten Gipfeltouren listet. Weil es nicht ausschließlich historische Ereignisse hinterfragt, kein Volkskultur-Führer und Wirtschaftsleitfaden ist. Auch nicht Sportalmanach. Nichts von all dem, aber – und so brachte es die Autorin mit ihrer Auswahl auf den Punkt – einen entscheidenden Teil daraus. Und dies alles in Kombination ist ein zweifellos spannender Guide für Einheimische wie für Gäste.

Fotos: Andrea Kocher

Zur Buchserie
Die Reihe „111 Orte, die man gesehen haben muss…“ des Emons-Verlages ist international einzigartigen und wenig bekannten Plätzen in Städten und Regionen gewidmet. So gibt es von Peking, Venedig oder München bereits eine solche Sammlung, ebenso von Südtirol, Kroatien oder dem Chiemgau. Auch Österreich ist bereits prominent vertreten: Von der Region Bodensee über Salzburg, das Salzkammergut bis Wien. Und nun eben auch die Biosphärenregion Lungau. Keine Reiseführer sollten es sein und nicht in erster Linie Touristen angesprochen werden. Das ist in das Konzept der 111-Buchreihe des Emons-Verlages: Die eigene Region mal anders kennenzulernen.

Fotos: Andrea Kocher; Glocke: Monika Schmitz

Und das sagen die Lungauer

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Foto: Speiereckhütte

„Die Speiereckhütte – Lungauer Berge bei Reggae-Sound und hauseigenem Gin“
Philipp Steinlechner & Leonhard Minutillo, Hüttenwirtsleute: Es ehrt uns sehr, da dabei sein zu dürfen, vor allem in so erlauchter Gesellschaft. Und übrigens: Der ‚Zügellos 2019 Biathlon‘ steigt am 24. Juni.

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Foto: Gemeinde Muhr

„Die Hexenglocke – gescheiterte Hexerei“ und 8 weitere Orte in Muhr
Bgm. Hans-Jürgen Schiefer (der beim Bau der „Holzknechthütte im Zauberwald“ mitarbeitete): Dass Muhr gleich mit 9 Plätzen mit dabei ist, bedeutet uns natürlich sehr viel. Und wir sind stolz darauf, unsere Naturdenkmäler und all die anderen besonderen Orte herzuzeigen.

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Foto: Schwungvoll

„Die Geigenbauerin – wenn aus Holz Klang wird“
Stephanie Marx: Ich fühle mich stolz und wertgeschätzt, in diesem besonderen Buch vertreten zu sein. Damit kommt auch meine Verbundenheit zu meiner Heimat und zu meinem Handwerk zum Ausdruck. Sicher bringt das Buch zusätzlich Schwung in mein kleines Ein-Frau-Unternehmen „Schwungvoll“.

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