oldtimer_jaguar_

Kult & Leidenschaft Old- & Youngtimer

Für Oldtimer-Liebhaber ist das gepflegte, alte, mobile Stück Blech viel mehr als nur Spielzeug, Freizeitinhalt, Sammelobjekt oder Kunstgegenstand – es ist Leidenschaft, Liebe zu seltenem Alten und vielleicht sogar eine Anlage, die sich zwar nicht bezahlt macht, mit der man sich aber gerne zeigt.

Automobile Oldtimer sind begehrte Sammelobjekte, oft hochkarätige Technik von gestern, wertvolle Designerstücke oder auch einfach ein geliebtes Erbstück, meist eher selten, am besten im Originalzustand, aber jedenfalls sehr gepflegt, weil sich die Eigentümer oft liebevoller um sie kümmern als um alles andere.  Der Trend zu alten Autos ist noch immer im Steigen, nicht nur die Preise für die oft seltenen und gut erhaltenen, automobilen Raritäten und Preziosen. Aber egal, ob es ein Ferrari 250 GTO Baujahr 1962 ist, wie erst kürzlich einer um sagenhafte 38 Millionen Dollar versteigert wurde, oder ein Käfer Cabriolet, wer solche Autos besitzt, der liebt sie.

Automobile Antiquitäten, die Millionen kosten, die professionell auf Neuwagenzustand restauriert werden oder wurden, die als Ausstellungobjekte und sogar als Investment gelten, die sind nur wenigen, sehr betuchten Zeitgenossen vorbehalten. Die Mehrzahl der Autoliebhaber und Oldtimer-Besitzer liebt dagegen ihr Vehikel aus ganz anderen Gründen: Die technische Perfektion moderner, elektronisch fremdgesteuerter Massenartikel fehlt, die Individualität, das rare Erscheinungsbild, der nahezu unmittelbare Zugang zu mechanischer Schlichtheit, an die man noch selbst Hand anlegen kann, das eher Ursprüngliche und Spürbare der Mobilität steht im Vordergrund. Und da werden Regen oder schlechtes Wetter zum Maßstab für die Ausfahrt, der Besitzerstolz wird zum Impuls für soziale Kontakte zu Gleichgesinnten wie auch die Oldtimer-Garage für sie zum Treffpunkt wird. Und wird der Liebling nicht bewegt, dann wird er gepflegt!

Leidenschaft und Wissen

Es geht vielen Menschen, die ein altes Auto in der Garage stehen haben, gleich: Man mag es eben, und je älter es ist, desto mehr achtet man darauf. Es muss ja keine wirkliche Rarität sein, es genügt auch schon ein Youngtimer, der demnächst oder in ein paar Jahren zum Oldtimer werden könnte. Der Reiz eines Oldtimers, also eines Fahrzeugs, das von Gesetzes wegen zumindest 30 Jahre alt ist und als erhaltungswürdig eingestuft wird, liegt eben nicht nur in seiner Schönheit, seiner formalen Ästhetik, sondern auch in der Freude, das Vehikel durch die Landschaft zu bewegen – der Weg ist das Ziel. Viele der an und für sich technisch eher unbedarften Sammler sind aufgrund ihrer Blechliebe zu wahren Wissenschaftlern in Sachen alter Autos geworden und verbringen eine Menge Zeit damit, ihr Wissen zu erweitern. Zudem wird viel Zeit und Leidenschaft darauf verwandt, den Zustand des begehrten Objekts zumindest zu erhalten. Dazu bedarf es aber auch einer intensiveren Pflege und Wartung als bei zeitgemäßen Vehikeln, weil die technischen Voraussetzungen für die zu pflegenden Bestandteile eine andere materielle Basis haben. So ist der alte Lack kein wasserlöslicher wie bei den Massenprodukten der Jetztzeit, das Verdeck des Cabrios ist kein Ausdruck moderner Materialperfektion, sondern eine mit dem Alter immer empfindlicher und spröder werdende Sattlerarbeit. Auch der Motor ist nicht unter Plastikabdeckungen versteckt und nur mehr mit dem Computer zu behandeln, nein, hier wird metallene Mechanik sichtbar, Maschinenbau zum Bestandteil der persönlichen Mobilität. Und all das kann und darf nicht „normal“ behandelt werden, sondern braucht auch spezielle Produkte und besondere Maßnahmen.

Oldtimer-Kult

Für den Oldtimer als Kultobjekt sprechen in den letzten Jahren  die Zunahme von Oldtimer-Veranstaltungen, bei denen sich stolze Besitzer, ehemalige Rennfahrer und begeisterte Fans zur verschworenen Gemeinschaft verbinden. Denn man fachsimpelt gerne mit eben jenen Menschen, die dem gleichen Hobby frönen: Die Zahl der Zylinder, Baujahr und Motorbauweise, also einfache technische Details, und natürlich die Häufigkeit, sprich die Stückzahlen, in denen das gute Stück gebaut wurde, das alles wird zum Thema. Je geringere Produktionszahlen und je exklusiver die Form, desto wertvoller! Dementsprechend liegen bei den Preisnotierungen all jene exklusiven Marken und Modelle vorne, die von berühmten Designern gestylt wurden und die im Extremfall als Einzelstück individuell angefertigt wurden. Und es ist natürlich ganz wichtig, dass alles so funktioniert wie bei einem Neuwagen – wenngleich ohne Elektronik und auf jenem technischen Standard, der zur Entstehungszeit optimal war. Es gilt unter eingefleischten Oldtimer-Sammlern und -Eignern auch als absolutes Tabu, alte Technik mit neuer aufzurüsten – hier ist Originalität oberstes Gebot. Dieses Prinzip schließt nicht nur alle serienmäßig gebauten Autos früherer Zeit ein, ebenso   Rennsportfahrzeuge vergangener Tage. So sind auch der Erfolg und die Anziehungskraft jener Rennserien zu erklären, bei denen klassische, also alte Rennwagen, um Rundenzeiten gegeneinander antreten.

Fazit

Wen auch immer der Sammel- und Oldtimer-Virus befallen hat, der kommt davon nicht mehr los. Was nicht bedeutet, dass es nur ums liebe Geld geht, auch wenn manche dieser Kultobjekte sich als sehr lukrative Anlage erwiesen haben.

René Herndl

Alle Beiträge aus Auto & Motorrad


Facebook Icon