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Kultur und Camping auf Sardinien

Ein türkisfarbenes Meer, weißer Sand, quirlige Küstenstädte und stille Bergdörfer. Sardinien besticht Luxusurlauber wie Individual-Touristen mit einer vielfältigen und atemberaubenden Landschaft. Zudem ist Sardinien Insel der Künstler und kulturellen Schätze. Eine Rundreise über die zweitgrößte Insel des Mittelmeeres.

Knarrend rollt der Wohnwagen aus dem Bauch der Fähre. Die Köpfe der Insassen sind weit aus dem Fenster gestreckt; sie saugen die milde Abendluft ein, eine Mischung aus Meersalz und Kräutern. Das Meer liegt glitzernd in der Abendsonne, die Grillen geben ihr wiederholtes Konzert. Nacheinander spuckt das Schiff Campingbusse, Autos und Motorräder aus, die sich zuerst auf der staubigen Straße aneinanderreihen, bevor sie sich in alle Richtungen zerstreuen. Dann liegt der Trubel der Stadt hinter den Reisenden, ihre Fahrzeuge nehmen langsam eine Kurve um die andere, ins Landesinnere oder an den Küstenstraßen entlang. Rund zehn Stunden dauert die Überfahrt auf hoher See von der italienischen Hafenstadt Livorno nach Sardinien. Mondäne Küsten, quirlige Hafenstädte mit bunten Häusern, malerische Bergdörfer, einsame Buchten und bizarre Felsen – auf einer Fläche von rund 24.000 Quadratkilometern bietet die Insel gleichermaßen Exklusives für den Luxusurlauber wie Unberührtes für den Individual-Touristen. Von Korsika ist die Insel durch die Straße von Bonifacio getrennt, von Italien durch das Tyrrhenische Meer. Die Insel mit ihrer rund 1.849 Kilometer langen Küste ist waldarm, größtenteils mit Maccia bedeckt und gebirgig. Auf einer Rundreise mit dem eigenen Fahrzeug lässt sich Sardinien am unmittelbarsten erleben. Camping ermöglicht ein äußerst flexibles Reisen. 

Alte Kirchen und lange Küsten

Die Fähre legt in Olbia an – der viertgrößten Stadt der Insel mit 50.000 Einwohnern. Olbia liegt im Nordosten von Sardinien, im Golfo Aranci. Hier befindet sich der bedeutendste Passagierhafen der Insel. Es herrscht reges Treiben und Großstadtflair, dem ein Ruhesuchender gerne bald wieder entfliehen möchte. Diese kann er in der Kirche San Simplicio finden, einer der ältesten Kirchen aus dem 11. Jahrhundert. Die romanische Basilika aus grauem Granit ist dem heiligen Simplicius von Fausania geweiht, dem ältesten überlieferten Bischof der Insel und Schutzpatron der Stadt.

Auch für Hundeliebhaber ist gesorgt

Die Reise geht weiter an der Ostküste entlang. Richtung Süden lässt es sich in Santa Lucia gut ein paar Tage aushalten, zum Seele-baumeln-Lassen und Kaffeetrinken direkt am Strand, mit Blick auf einen magischen Sonnenuntergang. Der weiße Sandstrand des Campingplatzes lädt zu einem zweistündigen, acht Kilometer langen Spaziergang ein. Auch wurde hier eine eigene „Hundezone“ für die vierbeinigen Freunde eingerichtet. Im touristischen Cala Gonone kommt Sehnsucht nach der romantischen, endlosen Weite von Santa Lucia auf. Eine Attraktion bietet allerdings Orgosolo, eine Kleinstadt im Binnenland. Gut zwei Drittel der Häuser sind bemalt, mit sozial-kritischen und politischen Statements und ganzen Geschichten. Texte und Malereien zur Französischen Revolution finden sich neben gesellschaftskritischen Kommentaren und Sprüchen von Charly Chaplin und Bertold Brecht. Die Themen der Sarden umkreisen hier die Freiheit und Unabhängigkeit Sardiniens und sind durchaus auch selbstkritisch.

Rote Felsen und sardisches Fladenbrot

Ebenso bezaubernd ist das rund 1.400 Einwohner große Dorf Santa Maria Navarrese. Es gruppiert sich um eine Kirche, die der Legende nach bereits im 11. Jahrhundert auf Wunsch von König Navarras Tochter errichtet worden ist. Neben dem Gotteshaus steht ein Ölbaum, der über eintausend Jahre alt sein soll. Der gut erhaltene Wachturm im Ort wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Das Meer ist kristallklar, zwischen den Klippen finden sich idyllische Badebuchten mit Kies und Sand. Manche von ihnen sind nur vom Meer aus erreichbar. In Santa Maria Navarrese findet sich inmitten eines Pinienwäldchens der Campingplatz Mare Blue; sauber und einfach lenkt er die Aufmerksamkeit auf den puren Genuss von Idylle und regionale Köstlichkeiten, wie knackiges Fladenbrot, sardischen Wein und Likör. 15 Kilometer entfernt liegt Arbatax. Der Ort in der Provinz Ogliastra gehört zu Tortolì und bietet neben familienfreundlichen Buchten eine Attraktion Sardiniens: die aus dem Meer ragenden, blutroten Porphyrspitzen, die Roten Felsen.

Mystik inmitten von Großstadtflair

Die Costa Rei im Süden Sardiniens, auch die Königsküste genannt, eignet sich besonders zum Faulenzen. Der rund zehn Kilometer lange Sandstrand ist durch kleine Felsen in Buchten getrennt, ein Bootsverleih lockt zu Erkundungen am Wasser, Strandverkäufer bieten ihre Waren feil. Der Campingplatz La Duna verfügt über ein eigenes Schwimmbad. Cagliari ist mit rund 150.000 Einwohnern die Hauptstadt Sardiniens. Hupende Autos und geschäftige Menschen prägen das Stadtbild. Beeindruckend ist der Dom Santa Maria di Castello. Die romanisch-byzantinische Kirche besticht alleine durch ihr Äußeres – die Steine bestehen aus zwei verschiedenfärbigen Steinen. Das Innere des Doms in üppigem Barock ist mit ebenso verschiedenfärbigem Marmor gestaltet. Santa Maria di Castello wurde ursprünglich im 13. Jahrhundert im pisanischen Stil errichtet. Heute erscheint sie jedoch im Mix vieler Stile und blickt auf zahlreiche Um- und Ausbauten zurück, welche bereits im 14. Jahrhundert ihren Anfang nahmen.

8.000 antike Steintürme und das älteste Gotteshaus

Ist die Hauptstadt Sardiniens ausführlich erkundet, geht es weiter Richtung Nordwesten. Bei Barumini finden sich einige der herausragendsten Beispiele ehemaliger, runder Wohn- und Verteidigungstürme aus vorchristlicher Zeit. Die sogenannten Nuraghe sind in jedem Fall einen Besuch wert. Über 8.000 dieser antiken Steintürme des Volkes der Nuraghen gibt es heute noch auf der Insel. Von Barumini ist es nicht mehr weit nach Torre Grande mit seinem herrlichen langen Sandstrand, unzähligen Cafés und Bars an der Strandpromenade. Auf der Halbinsel Sinis ist das nächste Kulturdenkmal zu bewundern: die Kuppelkirche San Giovanni di Sinis bei Tharros, das älteste byzantinische Gotteshaus Sardiniens. Die Bauzeit reicht bis ins 5. Jahrhundert zurück. Tharros besticht durch kristallklares Wasser und seinen berühmten „Reiskörner-Sand“. Die nahe gelegene Stadt Oristano erinnert, trotz beachtlicher Einwohnerzahl von rund 32.000, an ein liebenswertes Bauerndorf. Weiter an der Westküste lockt Bosa mit den bunten Häusern und engen Gassen zu ganz besonderen Spaziergängen … In den Straßencafés wird mit dem Malvasia di Sardegna ein sardischer Weißwein serviert, den man unbedingt versuchen sollte. Traumhaft ist die Fahrt entlang der Küste von Bosa nach Alghero, die einen Blick aufs offene Meer und die endlose Weite freigibt. Vom Campingplatz La Mariposa aus kann Alghero, eine Stadt der Provinz Sassari, am Strand entlang zu Fuß erreicht werden.

Ein Paradies aus Blüten und rosaroten Felsen

In Castelsardo angekommen, ist man beinahe wieder am Ende der Rundreise, und nochmals zeigt die Insel, was sie kann. Im Frühling gleicht der Küstenabschnitt Costa Paradiso zwischen Portobello di Gallura und der Isola Rossa einem Blütenmeer und eignet sich hervorragend für Fahrradtouren. Die kleine Landzunge Isola Rossa verzaubert mit ihren vorgelagerten, rosafarbenen Felsen. Die Tomba dei giganti in Arzachena (bis in die Urgeschichte zurückgehende Giganten-Gräber) sollte man sich vor der Heimreise nicht entgehen lassen. An der Costa Smeralde schließlich residieren die Schönen und Reichen, hier ist es organisiert und gestylt. Rund 5.000 Hektar Weideland verwandelte Prinz Karim Aga Khan, der sich in den 1960er Jahren in die Insel verliebte, eines der größten Ferienziele im Mittelmeer in eine Glitzerwelt, die mit dem übrigen, idyllischen Sardinien nur wenig zu tun hat.

Eva Pittertschatscher

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