Kunst von der Busenhöhe aus betrachtet…

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Kunst von der Busenhöhe aus betrachtet…

Wenn jemand sein Professoren-Dekret „irgendwo im Kastl bei den Papieren“ liegen hat, mit der Harley Davidson zum Schwammerlsuchen fährt und als Einziger in der Siedlung auf der „Busenhöhe“ wohnt, dann mag dies schon einiges über den Charakter eines Menschen aussagen. Einfach gestrickt, herzlich und besonders muss diese Person sein. So ist das

Lungauer Künstleroriginal Reinhardt Sampl.

 Ein Artikel von Andrea Kocher

Zweifellos ist hier ein Künstler daheim! Im ganzen Haus Gemälde und Skulpturen, nicht nur vom Hausherren selbst, sondern auch im Laufe der Zeit Gesammeltes. Zwischen Aquarellen und Kupferdrucken, Holz-
figuren und Tonmodellierungen findet sich ganz Spezielles. Wie eine Reinhardt Sampl-Büste einer spanischen Künstlerfreundin aus Barcelona, oder ein Skihelm vom ehemaligen Skirennprofi Erwin Resch. Erinnerungen eben. Sowieso überall Farbe und Werkzeug, Staffeleien im Atelier. Und nochmal fallen einzigartige Andenken, die über Jahrzehnte als Dekoration dienten, ins Blickfeld: Das Fläschchen mit Weihwasser ist etwa darunter, das Valentin Pfeifenberger, der legendäre Lungauer Pfarrer, seinem „Maestro“ zur Ateliereröffnung 1979 schenkte. Oder ein Stier aus Murano-Glas, einige Flaschen Whiskey, ungeöffnet, wahrscheinlich unbrauchbar, da über die Jahre ausgeraucht.

reinhardtSampl2Aufgeräumt hat Reinhardt Sampl sein Atelier für unseren Besuch. Ein geordnetes Chaos eben, das unweigerlich dazu verleitet, selbst Pinsel und Farbe in die Hand zu nehmen. Einmalig auch die Lage, wobei der Künstler die Adresse mit „Busenhöhe“ fast selbst gewählt hat. „Das passt doch zu einem Maler, der Akte malt“, ist der 63-Jährige überzeugt. Immerhin ist der Name nicht weit hergeholt, sondern der vom Vogelstopfer überlieferte Vulgoname dieser Anhöhe hinter St. Andrä. Andere Nachbarn entschieden sich dagegen. „Künstler von der Busenhöhe“ wird er deshalb gerufen, logisch. „Nur grau ist er geworden“, fügt Reinhardt Sampl schmunzelnd hinzu. Auch als der „Wüde Hund“ ist er bekannt, und eben der „Maestro“ vom Pfarrer Voitl genannt. Zum „Professor“ zeichnete ihn vor nun zehn Jahren das Kulturministerium aus. Für uns aber schlicht “Reinhardt”.

Das Lungauer Künstleroriginal ist derzeit viel unterwegs. Nicht etwa nur auf Kunstreisen oder Malseminaren, sondern zwischen St. Andrä und Schwerting. Der kleine Ort im Flachgau ist zum zweiten Wohnsitz für Reinhardt und seine Lebenspartnerin Maria geworden. Die drei Töchter sind bereits erwachsen, sie leben in München, Lyon und Salzburg. Haus und Atelier in St. Andrä sind dennoch wichtige Wirkstätte des Künstlers geblieben. Ob er denn ein typischer Künstler sei? „Jo, des denk’ i mir eigentlich schon. Aber was nennt sich heute schon alles Künstler oder wird als Künstler bezeichnet“, sagt er, und meint damit sicher nicht das Atelier, diese Schatzkiste, sein Ledergilet und den aufsteigenden Rauch der
Zigarette, die den Anschein erweckt, ihn im Denkprozess zu unterstützen. Seit seiner frühen Kindheit widmet Reinhardt Sampl sich dem Zeichnen und Malen. Ein echter Künstler ist er also zweifelsohne.

Die Malerei und die Natur

reinhardtSampl3Reinhardt Sampl erzählt von einer Entwicklung über Jahrzehnte, als Autodidakt. Seine Handschrift und seinen Stil hat er über die Jahre entwickelt. Gerade seine Landschaftsbilder sind unnachahmlich und Vorbild von vielen, die Szenen sind immer wieder erkennbar, auch wenn sie bis in die Abstraktion reichen. Das Motiv gibt allein die Landschaft vor, am liebsten der Lungau. Nie in Gefahr, betriebsblind zu werden, nie in Gefahr, die Region auf ein paar fixe Ansichten zu begrenzen. „Wenn du die Augen aufmachst, dann ist es überall interessant. Und gerade vom Lungau und seiner Vielfalt siehst du dich nie ab“, ist der Maler überzeugt.

Das Murtal malt er vom Aineck oder von der Staig aus, den Mitterberg macht der Umstand spannend, dass sich nur an wenigen Plätzen der Blick über Mariapfarr erlaubt. Besonders die Lichtstimmungen, wenn die Sonne etwa durch kleine Nebelfenster auf Landschaften strahlt, oder die rührigen Ortschaften mit Herbstlicht beleuchtet sind: „Da hat der Herrgott das Licht aufgedreht und das ist ein Traum, weil dann konzentriert sich der Blick nur auf ein paar wesentliche Dinge wie in der Abstraktion.“ Für das fertige Kunstwerk liegt es dann beim Betrachter: Denn der ergänzt mit seiner Ansichtsweise und Fantasie das Bild.

„Ich habe meine Wurzeln hier und der Lungau hat etwas Besonderes, Einmaliges und Schätzenswertes“, so der Künstler, der gut auch in Florenz oder Südamerika seine Heimat hätte nennen können, von seinen vielen Reisen aber immer wieder gerne zurückgekehrt ist. „Mir hätten die Täler gefehlt, und die Leute dazu, das ist nicht nachahmbar.“ Manchmal hinaus zu reisen, unterstützt jedoch die Perspektive.

Sternenhimmel über Tamsweg

Seine künstlerischen Spuren hat Reinhardt Sampl überall im Lungau hinterlassen. Das „4-Jahreszeiten“-Wandbild mit 12 x 5 Metern im Stiegenhaus der Wirtschaftskammer Tamsweg, das sich über vier Geschoße erstreckt, ist ein sehr bekanntes Werk. Ein neueres Kunstwerk ist „Sternen-himmel über Tamsweg im Zeichen des großen Wagens“, ein Triptychon, der Vereinigten Bruderschaft gewidmet, das im Gambswirt hängt. Wieder die Verbindung zum Voitl, das dreiteilige Bild entstand über dessen Anliegen vor zirka zwanzig Jahren.

reinhardtSampl1Ein Lieblingswerk gibt es nicht, sondern eine Vielzahl davon. Meistens ist es das aktuelle, derzeit ist die Bärenlacke am Schwarzenberg, eine farbliche Sensation, die den Künstler fasziniert. Ebenso wenig gibt es einen definitiven Lieblingsplatz, sondern viele besondere Plätze. Und auch ohne Staffelei vermag es Reinhardt Sampl, seine Heimat zu genießen. Wenn er die Tourenskier anschnallt oder die Wanderschuhe schnürt, seine Harley Davidson (selten, aber doch) ausführt, oder oft in der Früh schon bei Wastl und Rosa im Andlwirt beim Kaffee Zeitung liest und „viel Neues dafrogt“.

Seine Lungau-Perspektive ist eine besondere, so besonders wie die Landschaft, schätzenswert wie seine Kunst, dass ein Anblick nie derselbe ist. Reisen und Auszeichnungen, Arbeiten quer durchs künstlerische Fach.

Und am Ende schließt sich der Kreis immer wieder in der Lungauer Landschaft.

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