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Massagen: Die Alleskönner

Die Massage gilt als eines der ältesten und unmittelbarsten Heilverfahren, die der Mensch kennt. Sie lindert Schmerzen und wirkt direkt auf das Gewebe. Sie kann heilen – oder einfach nur entspannen.

Der Nacken tut weh, die Schultern sind verspannt und eigentlich schmerzt der ganze Rücken. Ob schon in jungen Jahren oder erst im fortgeschrittenen Alter: Irgendwann im Leben ist jeder Mensch von Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich betroffen – sie sind zum regelrechten Volksleiden geworden.

Unsere Zeit wird immer schneller und unruhiger, im gleichen Maße steigt die Sehnsucht nach Ruhe und Entspannung. Oft leiden wir beruflich unter Bewegungsarmut mit einer zumeist einseitigen Körperbelastung – durch stundenlange gleichartige Tätigkeiten –, das ergibt einen Nährboden für allerlei körperliche Beschwerden. Dazu kommen Stress, schlechter Schlaf oder Erschöpfung.

Der Tamsweger Facharzt für Unfallchirurgie und Sportmedizin, Joachim Schiefer dazu: „Unser grundsätzliches Problem ist, dass wir alle Kopfmenschen geworden sind. Wir neigen dazu, jede Bewegung und jede Körperhaltung mit dem Kopf und den Augen zu kontrollieren, und das führt zu Verkrampfungen und Verspannungen.  Diese Verspannungen verursachen die Schmerzen im Nacken und im Schulterbereich, die oft auf den gesamten Rücken ausstrahlen.“

Dazu komme die „Schildkrötenhaltung“, die wir alle einnehmen, wenn wir Stress haben: Wir ziehen den Kopf ein, die Schultern in die Höhe, machen den Rücken rund und überstrecken so den Hals. Viele finden auch dann nicht mehr aus dieser Haltung heraus, wenn sie sich in einer Phase der Entspannung befinden – und das belastet die Gelenke, blockiert und verursacht Schmerzen.

An der Universität von Miami wurde das erste Forschungsinstitut gegründet, das sich nur mit Massagen beschäftigt – und mittlerweile folgt eine Studie der anderen. Heute weiß man, dass Massagen das Immunsystem stärken, für tiefen Schlaf sorgen und manchmal sogar Schmerzen lindern können. Sie beruhigen die Gehirnströme und senken die Stresshormone im Blut. Deshalb lösen sich durch die Berührung nicht nur körperliche, sondern auch psychische Spannungen, die Konzentration wird gestärkt, und wir kriegen einfach gute Laune. Welche Massage ist nun aber die richtige? Wir haben uns bei Joachim Schiefer und seinem Team aus Masseuren und Physiotherapeuten umgehört, die sämtliche Techniken der Massage anwenden. Nur so viel: Die Auswahl ist groß…

Direkte Massagetechniken

Die einen Massagen wirken direkt an der betroffenen Stelle, andere indirekt durch Reflexe. Die klassische Massage nach Ling verfolgt den direkten Ansatz, sie wirkt vor allem auf die Muskeln. Der Masseur verschiebt die einzelnen Faserbündel gegeneinander. Das lockert die Verspannungen im Gewebe und erhöht die Beweglichkeit. Die Massage fördert die Durchblutung und regt den Stoffwechsel an. Die klassische Massage kann bei Muskelverspannungen, Spasmen, Lähmungen und rheumatischen Erkrankungen helfen. Sie wird auch nach Verletzungen und Operationen am Bewegungsapparat angewandt. Physiotherapeuten behandeln sogar Atemstörungen und chronische Entzündungen der Bronchialschleimhaut mit Massagen.

Eine weitere direkte Massageform ist die Lymphdrainage: Der Masseur streicht hierbei eingelagertes Gewebewasser über die Lymphbahnen aus dem Körper. Diese Technik wird bei Ödemen, Venenleiden und Erkrankungen der Lymphgefäße eingesetzt.

Die Wirkung von Massagen ist wissenschaftlich nachgewiesen. Massage ist nicht nur in akuten Fällen von Beschwerden sinnvoll, sondern auch eine ideale vorbeugende Therapie. Die Krankenkasse übernimmt daher oft die Kosten bei einer entsprechenden Diagnose. Ob indirekte Massagen einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben, ist nicht eindeutig belegt. Daher werden die Kosten für diese auch nicht immer übernommen.

Massagetechniken aus aller Welt

Lomi Lomi stammt beispielsweise aus Hawaii und bedeutet in etwa so viel wie: “drücken, kneten, reiben”. Das ist eine sehr intensive Massage, die vorwiegend mit wellenförmigen, sanften Massagebewegungen ausführt wird. Dazu kommt rhythmische, hawaiianische Musik, welche den Körper von Stress, Angst und Verspannungen befreien soll.

Die Hot Stone Massage ist auf eine Tradition zurückzuführen, die unter den indigenen Völkern Nordamerikas verbreitet war. Die Masseurin oder der Masseur erhitzen glatte schwarze Lavasteine auf 50 Grad und legen diese auf besondere Energiepunkte des Körpers. Die Hitze soll Verhärtungen lösen. Anschließend werden die Verspannungen durch Drücken und Kneten gelockert – teilweise werden dazu die Steine genutzt. Der Stoffwechsel wird stimuliert, die Entgiftung und Entschlackung des Körpers wird angeregt. Eine Wohlfühlmassage der besonderen Art.

Reflektorische Wirkung

Viele Massagetechniken aus dem asiatischen Raum berücksichtigen die reflektorische Wirkung. Die Massagen werden hier oft als Teil eines ganzheitlichen Systems betrachtet, das auch andere Aspekte wie Ernährung und Entgiftung beinhaltet.

Fernöstliche Massagetechniken, wie das jahrtausendealte Shiatsu, werden in immer neuen Abwandlungen angeboten. Wie die Akupunktur stimuliert Shiatsu bestimmte Punkte – allerdings nicht mit Nadeln, sondern mit den Fingern, Händen oder Ellenbogen. Das Prinzip dahinter: Die Shiatsu-Punkte liegen auf den sogenannten Meridianen – das sind Energiebahnen, die durch den gesamten Körper führen.

Tuina ist etwa eine medizinische Massage der Traditionellen Chinesischen Medizin. Im bevölkerungsreichsten Land der Erde hat diese Technik einen hohen Stellenwert. Die Massage wirkt nicht bloß direkt auf die Muskeln, die Bänder und die Gelenke, sondern auch reflektorisch über die Meridiane auf die inneren Organe. Das grundlegende Konzept dahinter: Den gesamten Körper durchziehen Energieleitbahnen, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin “Meridiane” heißen, in Indien “Nadis”. Durch diese fließt die Lebensenergie. Verschiedene Punkte auf der Haut sollen mit bestimmten Organen verbunden sein – so die Theorie. Dies ermöglicht es dem Therapeuten, durch die Massage Körperteile zu behandeln, die im Körperinneren liegen und damit eigentlich unzugänglich sind.

Massage dient Verletzungsprävention

Hat die Masseurin oder der Masseur die Quelle oder sogar mehrere Quellen des Übels ertastet, werden mit bestimmten Grifftechniken die Muskeln bearbeitet. Streichen, kneten, dehnen, reiben und klopfen bringen den Körper zum Vibrieren. Alles mit dem Ziel, die Muskeln zu entspannen, die Durchblutung zu steigern, Stauungen zu beseitigen, Verhärtungen aufzulösen oder gar Schmerzen zu lindern oder ganz zu beseitigen. Ob mit oder ohne Bewegung – wir beanspruchen täglich eine Vielzahl von Muskeln, von deren Existenz wir oft erst erfahren, sobald sie uns Probleme bereiten.

„Spitzensportler werden beispielsweise regelmäßig während des Trainings und im Wettkampf massiert, obwohl sie sich ausgiebig bewegen. Denn Massage ist die beste Verletzungsprävention, wenn die Muskeln gepflegt und gelockert sind“, so der Sportarzt Joachim Schiefer. Vorbeugen ist eben besser als Heilen.

Maria Riedler

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