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Sing, Play & Swing

Es gibt vermutlich keinen Musiktitel, den die Murvalley-Dixielandband & The 4 Crazy Elefants nicht im Dixie-Style spielen könnte. Neben den klassischen Dixielandstücken in ihrem breiten Repertoire haben sich die acht Musiker von Blasmusikmärschen über Schlager bis Mozart durch alle möglichen Genres gespielt. Seit zwanzig Jahren swingen, spielen und singen sie auf diese Weise gute Laune in den Lungau – und mittlerweile auch weit darüber hinaus.

Eine Fangemeinde hat sich diese Band mittlerweile weit über die Lungauer Grenzen hinaus aufgebaut. Sie intoniert und singt Dixie-Jazz und hält mit ihrem Namen die Fahnen ihrer Heimat, dem Murtal, hoch. Zwanzig Jahre liegt die Bandgründung und damit der erste Auftritt zurück. Der war am 1. November 1994 in der „Frühstückl-Passage“. Damals hätte sich wohl niemand gedacht, dass aus der Formation, die nur mit den „vier verrückten Elefanten“ komplett ist, gar eine kleine musikalische Institution wird. Und die Fans sind treu: „Auftritte in Deutschland oder Italien zum Beispiel zeigen uns stets wieder, dass Dixieland überall gerne gehört wird“, freut sich Eberhard Gappmayr, der Piano-Spieler und Bandgründer.

Im Lungau würde es den Dixieland-Stil, der sich in den 1910er Jahren aus der Nachahmung des New Orleans-Jazz durch weiße Musiker versteht und seine Ursprünge in Chicago und New York sieht, ohne die Murvalley-Dixielandband nicht geben. Weshalb sie in all den Jahren nie kopiert wurde? Das darf einerseits auf die doch recht ausgefallene Musikrichtung, andererseits auf die hohen Ansprüche dieses Genres zurückgeführt werden. „Es bedarf sicherlich hervorragender Musiker an den Solo-Instrumenten, um Dixieland auch entsprechend intonieren zu können“, ist Eberhard Gappmayr überzeugt. Die Murvalley-Dixielandband bringt in diesem Punkt nicht zuletzt dank der „Elefanten“ an den Blasinstrumenten beste Voraussetzungen mit – die im Studium ausgebildeten Musiker haben sich alle eingehend mit der im Dixieland so entscheidenden Harmonielehre und Improvisation befasst.

Ihr Basiskönnen findet sich, so erklärt Schlagzeuger Peter Santner, vor allem in der Blasmusik: „Wir kommen fast alle aus der Schule der Blasmusik. Sie ist immer noch in unserem Herzen drin, auch jetzt noch mit dem Dixieland-Style. Weil es eine wunderbare Kombination ist, die Jung und Alt anspricht“.

Dieses fachliche Können und das harmonische Zusammenspiel zum musikalischen Gesamtwerk ist das, was die Murvalley-Dixielandband prinzipiell zur Intonation jedes Liedes und Titels, unabhängig vom Musikstil, befähigt. Neben den Dixie-Klassikern in ihrem Repertoire wie „Ice Cream – News Cream“ oder „When the Saints“ überrascht die achtköpfige Crew mit immer wieder neuen Aufregern. Mit dem „Rainermarsch“ etwa swingen sie Salzburg und Chicago einander ein Stückchen näher. Ebenso bekommen Schlager und sogar Meisterwerke der Klassik dixie-beschwingte Rhythmen. Auch „Happy Birthday“ wird ab und an im jazzigen Style geformt und gefidelt.

Durch diese konsequente Dixieland-Orientierung läuft die Band trotz der musikalischen Vielfalt nie Gefahr, ihren eigentlichen Stil zu verlieren. „Wenn man sich von jeder Stilrichtung etwas herausnimmt, um Vielfalt zu zeigen, wie es bei Tanzkapellen ja üblich ist, ist man zwar ein musikalisch bunter Paradiesvogel, aber es fehlt sodann der besondere Stil der Band. Und wohl auch die entsprechende Tiefe“, erklärt Eberhard Gappmayr weiter. 

Vorausschauend zeigt man sich, wenn es darum geht, Dixieland auf längerfristige Sicht für den Lungau zu erhalten. So wäre es sicherlich wünschenswert, wenn junge, talentierte Musiker einen Zugang zu dieser Stilrichtung fänden. Die Gute-Laune-Macher, die wiederum in ihrer Jugend dank dem Lungauer Ausnahmemusiker Rudi Wilfer zum Dixieland und zu dessen Jazzgrößen wie Fatty George und Oskar Klein fanden, machen solange unaufhaltsam weiter. „Unser Dixie-Gschnas war legendär“, erinnert Georg Gappmayer, musikalischer Bürgermeister von Tamsweg und Posaune-Bläser, „heute zählen noch das Konzert im ‚Tatort’-Pub zu Weihnachten, die Tamsweger Gastgarten-Rallye und das ‚Murauer Gasseln’ zu unseren Fixterminen.“ Bei diesem „Gasseln“ zieht die Band zusätzlich zum Bühnenprogramm (für einige Stücke überhaupt unplugged spielend und die Instrumente tragend) durch die Straßen. Als jährliches Event soll sich auch das „Dixie & Schnee in St. Michee“ etablieren. 

Die Murvalley-Dixielandband blickt wohl freudig in die Zukunft. Diese wird allerdings ohne ihren erstklassigen Kontrabassisten und Freund Anton Derigo vonstatten gehen. Der „Louis Armstrong des Lungaus“ ist heuer verstorben. Der Virtuose an den Bass-Saiten, mit der kratzigen Stimme und dem weißen Franzosen-Cap als Markenzeichen, hinterlässt eine Riesenlücke innerhalb der Band. Immer wieder Gänsehaut dank seiner „What a Wonderful World“-Interpretation. „Das war immer Tonis Highlight“, sagt Peter Santner, überzeugt von dem Vermächtnis, das wahrscheinlich allein die Kunst und die Musik zu schaffen imstande ist: „Toni bleibt in unserer Mitt’n, wir sind seit zwanzig Jahren die gleiche Besetzung. Wir werden mit ihm und für ihn weiter Musik machen. Er schaut zu uns herunter und g’freit sie mit uns.“

Andrea Kocher

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