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The Mosehammers

Wie cool und charmant, wie frech und witzig, wie authentisch sind diese Charaktere! Ihre Familien sind ihnen das Wichtigste, der Job geht vor. Und sie sind Musiker aus Leidenschaft. Mit ihrer Musik wollen sie niemanden zwangsbeglücken und sie spielen nicht wegen der Gage. Denn jegliche Einnahmen reichen sie den Ärmsten unserer Gesellschaft weiter. „The Mosehammers“ rocken: stets zugunsten eines guten Zweckes und deshalb, weil ein gemeinsames Alter von 306 Jahren kein Hindernis ist.

Ich treffe die sechsköpfige Band in ihrem musikalischen Wohnzimmer. Das ist das „Hard Rock Cafe“ von Fanningerwirt Toni Holzer in Mariapfarr, er ist selbst passionierter Musiker. Hier hatten „The Mosehammers“ (kein Rätsel wohl um den Bezug zum Unternberger Ortsteil Moosham) 2007 ihren ersten Auftritt. Und jetzt, in den Momenten, in denen ich mich diesem Beitrag widme, stehen sie in Wien auf der Bühne: um im Caritas-Haus Noah einen Gig für Obdachlose zu spielen. Für Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen aber einem Musikgeschmack wie dem ihren. Das ist der Band mit „plus minus zehn Auftritten im Jahr“ nämlich am wichtigsten. Hauptsache, alle Beteiligten haben Spaß an der Sache. Geld verdienen sie damit nicht: „Wir haben das Privileg, nicht von der Musik leben zu müssen“, sagen die Freunde.

Das erleichtert natürlich einiges. Alle „Mosehammers“ stehen, beziehungsweise standen, fest im Berufsleben. Vier Kollegen einer Unternehmensgruppe, drei davon in Leading-Positionen, sind in dieser Ausnahmeband vereint. Dazu ein an einer Musikhauptschule lehrender Allround-Musiker und ein Pensionist mit Profimusiker-Vergangenheit. „Wir sind eben eine echte Firmenkapelle“, scherzt „Cosmoterra“-Boss und Sänger Joe Horn. Aller Anfang war aber auch hier schwer. Oder wie es Musiklehrer und Schlagzeuger Gerold „Fio“ Fingerlos treffend formuliert: „Der Fuchs musste erst getreten werden.“ Und es hat auch hier gedauert, bis die sechs Musiker zu einer Band reiften.

Zweifelsohne einzigartig nun die Formation. Die Freude an der Musik, dazu reichlich Lebenserfahrung, Unabhängigkeit sowie eine lässige Ungezwungenheit. Man darf „The Mosehammers“ somit wohl als „Urgesteine“ der Lungauer (Rock)Musikszene bezeichnen. „Die Leute verbinden Rockmusik nicht mehr automatisch mit Jugend“, bestätigt „Ökopharm“-Chef und Gitarrist Norbert Fuchs. Das Alter hindert keineswegs am Rocken. Im Gegenteil. Ist es doch schließlich auch die Generation „von damals“, die noch immer die Konzerthallen füllt. In der Jugend von heute erkennen sich die Routiniers deshalb nicht unbedingt. Wenn auch das künstlerische Tun wohl dasselbe ist, sind die Voraussetzungen heute eben anders als jene der klassischen Bandkonstellationen. Gerade mit der Ära „Lad’ dir doch schnell mal stairway to heaven aufs Handy“ hat sich viel geändert. Das Internet liefert Texte, Riffs und Solos, sogar ganze Lehrbücher frei Haus. Kein vergleichbarer Ansatz zu früher, als es eine Wissenschaft war, einen  Titel durch „tausend Mal anhören aufzusaugen“. „Einen Song nachspielen wollen, das war so, als wenn ein Analphabet eine Geschichte hört, sie aber nicht lesen kann“, so der Versuch einer Erklärung. „Für uns war jeder Song mit seinem Flow, Charakter und Klangbild wie Forschungsarbeit“, erinnern sich die Musiker. „The Mosehammers“ sind eine Coverband. Hendrix, Dire Straits, Led Zeppelin, Santana, Stones, aber auch Heimisches wie STS – sie präsentieren die Hits der ganz Großen der internationalen Szene, aber gerne auch weniger bekannte Kracher. Das tun sie auf ihre Weise, der Weg zur Eigeninterpretation führt beispielsweise über die Sprache: „Fong nei o“ anstatt „Fang neu an“ (Klaus Lage) heißt es dann. „Mit einem Steirer als Sänger ist das nicht schwierig“, wird schon wieder geblödelt. Keep on rocking in a free world! An die große Glocke hängen „The Mosehammers“ ihre Konzerte und Projekte nicht. Jährlich bringen sie einen Band-Kalender in unglaublicher Auflage von zehn Stück heraus und ermitteln ihr Programm in einem internen, anonymen Nominierungs- und Abstimmungs-„Song-Contest“. Zum 10-jährigen Bandjubiläum plant der sympathische Trupp aber „’was Größeres“. Man darf gespannt sein! Und spätestens jetzt wissen Sie, warum mich mein Weg unweigerlich zu den einmalig fantastischen „The Mosehammers“ führte.

„The Mosehammers“ sind:

Herbert Trausnitz (Piano), Rupert Loidl (Bass), Norbert Fuchs (Gitarre), Joe Horn (Gesang), Gerold Fingerlos (Schlagzeug), Michael Guggemos (Gitarre)

Andrea Kocher

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